Gestern Abend fand auf dem Julierpass die Uraufführung des Musiktheaters «Kaiserin Irene» statt. Origen Intendant Giovanni Netzer hat ein dramatisches Portrait der berüchtigten Herrscherin entworfen, das als grosser Bilderreigen daherkommt. Wie verblichene Erinnerungen tauchen Szenen aus dem Leben der byzantinischen Kaiserin auf: Krönungsrituale, Familienfehden, Liebesbezeugungen, Hofintrigen. Ein Drama über zerbrechende Beziehungen, über politischen Machtmissbrauch, über menschliche Vereinsamung, und – wenn man so will – über den Verlust der Integrität im politischen Machtkampf. Auf der Bühne stand ein interdisziplinäres Ensemble, das Solisten des Hamburg Balletts (Silvia Azzoni, Thiago Bordin), Sängerinnen des Origen Ensembles (Marian Dijkhuizen, Maximilian Vogler), Tänzerinnen der freien Szene (Bonnie Paskas, Edward Lloyd), und Nachwuchskünstler aus Graubünden vereinigte. Der russische Lichtkünstler Konstantin Binkin entwarf ein expressives, farbintensives Licht auf die skulpturale Bühne, Franck Bourguin gestaltete den Klang, Giovanni Netzer das Bühnenbild.

Kaiserin Irene, Origen

Das ganze Spiel entwickelt sich aus einem beständige Kreislauf, dem alles untergeordnet ist. Könige kommen und gehen, neue Diktatoren beherrschen die Welt, Dynastien verschwinden. Lebenszyklen vollenden sich im Kreis und stehen für die ablaufende Lebenszeit. Die Bühne mit ihren runden Plattformen und hohen Stufen symbolisiert das Machtgefüge am byzantinischen Hof. Der Aufstieg ist beschwerlich, der Absturz allgegenwärtig. Martin Leutholds Kostüme für Irene sind von byzantinischen Mosaiken inspiriert. Die schweren Mäntel mit ihren schimmernden Spitzen und Edelsteinen kontrastieren mit leichten, transparenten Stoffen, die von verletzbaren Körpern erzählen.

Das Musiktheater besteht aus einer Reihe von Bildern, aus flüchtigen Assoziationen, die rasch aufeinanderfolgen und das Leben der berüchtigten Kaiserin Revue passieren lassen. Liturgische Meilensteine gliedern die Bilderflut: Totengedenken, Hochzeiten, Krönungsfeiern. Höfische Tänze geben den Gemütszustand am Hof wieder. Dazwischen immer wieder Portraits von Menschen, die nur schwer zueinander finden, die von der Macht korrumpiert werden, ihr Vertrauen in das Leben verlieren. Die Bühne hebt sich aus der Tiefe des Raumes, aus der Unschärfe der Zeit. Fliessende Schatten lösen Umrisse auf und tragen die alten Chroniken in unsere Tage, als zeitlose Reflexionen über den Menschen. Das Musiktheater wird zum abstrakten Seelenspiel, zur Kampfzone mentaler Kräfte, die um die Herrschaft in der menschlichen Seele ringen.

Fotos: © Admill Kuyler

WEITERE AUFFÜHRUNGEN DER KAISERIN IRENE
9. | 18. | 19. | 20. Februar 2022 | 17.30 Uhr
25. | 26. | 27. Februar 2022 | 18.00 Uhr

INFORMATIONEN UND PRESSEKARTEN
Für weitere Informationen und Pressekarten dürfen Sie sich gerne an Rebecca Suenderhauf wenden (r.suenderhauf@origen.ch).

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