Berlin - Tummelplatz der Geschichte
08.11.2009

Berlin - Tummelplatz der Geschichte

Tag des Mauerfalls:
Ein kurzer historischer Rückblick
auf Berlin

(hr). Theater, Ausstellungen, Kabarett, Musikveranstaltungen von Klassik bis Pop, dazu unzählige Museen, sonstige Sehenswürdigkeiten und architektonische Kleinode: Das alles bietet Berlin in einer Vielfalt und Breite, wie man sie andernorts nur schwer finden kann. Der Slogan – Berlin ist eine Reise wert – scheint zwar leicht angestaubt, ist aber dennoch passend geblieben für die pulsierende Metropole im Herzen Europas. Ein kurzer Rückblick über die Entstehung der Millionenstadt...

Glaubt man den Überlieferungen, dann waren es zwei slawische Stämme, die Anfang des 8. Jahrhunderts die Gegend um das heutige Berlin bevölkerten. Zum ersten Mal als Stadt erwähnt wird sie am 26. Februar 1251. Rund hundert Jahre später rafft die Pest unzählige Menschen dahin, auch in Berlin. Schnell glaubt man einen Schuldigen gefunden zu haben und vergreift sich an Mitgliedern der jüdischen Gemeinde.



Foto: Archiv Berliner Geschichte www.potsdamer-platz.org
(Blick auf den Alexanderplatz während der Spartakusunruhen 1919)



Im Jahre 1470 erklären die Brandenburgischen Kurfürsten Berlin zu ihrem Regierungssitz. Anfang des 16. Jahrhunderts fordert die Pest in Berlin erneut viele Tote, diesmal mehr als 4000. Der Dreißigjährige Krieg (1618 bis 1648) reduziert die Bevölkerungszahl von 10.000 auf 6.000, aber kurz darauf zählt Berlin mit rund 20.000 Einwohnern zu den größten Städten Europas. 1781 beginnt mit einer Spinnmaschine die Industrialisierung und Berlin, das mittlerweile knapp 200.000 Einwohner in seinen Stadtmauern beherbergt, gilt nun als führende Industriestadt Preußens. Am 18. Januar 1871 wird das Deutsche Reich unter Kaiser Wilhelm I. aus der Taufe gehoben und Berlin zur Reichsstadt erklärt. Mittlerweile leben über 800 000 in der Stadt an der Spree. 1907 eröffnet das Kaufhaus des Westens, kurz „KadeWe“, das auch heute immer noch das größte Kaufhaus Europas ist.



Foto: Archiv Berliner Geschichte www.potsdamer-platz.org
(Zeppeline bei ihrer gemeinsamen Deutschlandfahrt am 26.-29.03.1936 über dem Haus Vaterland)



Mit als einer der dunkelsten Tage in der Berliner Geschichte gilt der 30. Januar 1933: Adolf Hitler wird zum Reichskanzler ernannt und lässt diesen Anlass mit einem gigantischem Fackelzug durch das Brandenburger Tor feiern. 1936 finden die Olympischen Spiele in Berlin statt, drei Jahre später beginnt der von den Nationalsozialisten initiierte Zweite Weltkrieg, in dessen Verlauf Berlin, wie viele andere Städte auch, um ein Jahrhundert zurück gebombt wird. Berlin wird nach der Kapitulation des NS-Regimes in vier Sektoren eingeteilt und erhält somit den „Viermächte-Status“.

Es sind vor allem die „Trümmerfrauen“ Berlins, die jahrelang den Schutt aus ihrer zerstörten Stadt karren und unverdrossen am Wiederaufbau beteiligt sind. Im Juni 1948 wird in Westdeutschland die Deutsche Mark eingeführt, kurz darauf riegeln die Russen Berlin vom Rest der Welt ab. Über eine Luftbrücke versorgen die westlichen Allierten bis zum Mai 1949 die Berliner mit Nahrungsmitteln, erst dann wird die Blockade von den Sowjets aufgehoben. Im Oktober 1949 gründet sich die DDR, die Ost-Berlin zu ihrer Hauptstadt ausruft. Ab August 1961 beginnt die DDR mit dem Bau der Mauer, die bis zum November 1989 die Menschen voneinander trennt.

Am 10. November wird die Berliner Mauer geöffnet und hunderttausende DDR-Bürger feiern zusammen mit den West-Berlinern das Ende ihrer jahrzehntelangen Isolation.

Seitdem hat sich viel getan in der Stadt: Marode Bauten aus DDR-Zeiten wurden restauriert und wieder hergerichtet. Jahrelang war Berlin eine Großbaustelle, ohne jedoch ihren Charme zu verlieren. Die Öffnung mit Blickrichtung Osten hat auch dazu beigetragen, dass Berlin wieder zum Schmelztiegel unterschiedlichster Kulturen und Ethnien geworden ist. Berlin eben, irgendetwas zwischen Alexanderplatz und Zille, dem großen Maler und Sohn der Stadt.


Foto 1: Archiv Berliner Geschichte www.potsdamer-platz.org
(Aufgepflanzte Bajonette vs. Sonntagsanzug – Mauerbau August 1961)


Fotos mit freundlicher Genehmigung von
Jochen P. Ziegelmann, Freie Universität Berlin