Kuba - die Perle der Karibik?
22.02.2010

Kuba - die Perle der Karibik?

Das historische Zentrum Havannas ist 1982 zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt worden. Die Stadt gehört zu den ältesten spanischen Kolonialsiedlungen. Der gesamte alte Stadtkern besteht aus wunderschönen barocken oder neoklassischen Palästen, die sich Plantagenbesitzer und Zuckerbarone errichten ließen – das tropisch-feuchte Klima hat die meisten davon in einen desolaten Zustand versetzt. Lange Zeit war "die Perle der Karibik" vom Zerfall geprägt. Fassadenteile brachen herunter, sie wurden nur notdürftig abgestützt, die fensterlosen Gemäuer moderten vor ich hin. Ihren früheren Glanz hatten sie längst eingebüßt.



Jedoch zu Beginn der 90er Jahre gelang es Eusebio Leal Spengler Fidel Castro davon zu überzeugen, dass der historische Kern von Havanna eine große Chance darstelle, Touristen nach Kuba zu locken und mit deren Devisen die Altstadt nach und nach zu sanieren. Castro machte Spengler zum “Historiador de La Ciudad de La Habana”, zum Stadthistoriker von Havanna, und im Herbst 1993 bezog er sein Büro an der Plaza de la Catedral. Leal Spengler sollte Recht behalten. Bald kamen Jahr für Jahr etwa zwei Millionen Touristen nach Kuba – und nahezu jeder besucht mindestens einmal das koloniale "Habana Vieja".



Das geplante Projekt ist gewaltig: Auf einer Fläche von gut zwei Quadratkilometern wollte Spengler mehr als 3000 Gebäude ohne direkte finanzielle Hilfe des Staates restaurieren. Wo bis vor fünfzehn Jahren noch halbverfallene Häuser standen, sollten ganze Straßenzüge in neuem Glanz erstrahlen. Einige Bereiche könnten, was Schönheit und Sauberkeit angeht, durchaus mit Prag oder Paris konkurrieren, meinte Spengler stolz.

Es sei leichter geworden, räumt der Stadthistoriker ein, weil es inzwischen Bewohner gebe, die das Projekt unterstützten, das motiviere, um weiterzumachen. Unweit der 260 Jahre alten Kathedrale erstreckt sich die von luxuriösen Geschäften gesäumte Calle Obispo, hier schlendern die Touristen zur Bar Floridita, wo schon Hemingway seine Mojitos und Daiquiris trank.



Es betrübe ihn persönlich, wenn manche Einwohner der Altstadt die Sanierung kritisierten, mit dem Argument, das Ganze sei nur eine Art Potemkin’sches Dorf für Touristen. Eine junge alleinerziehende Mutter meinte denn auch resigniert, dass die Sanierung den Einwohnern von Old Habana keine Vorteile bringe.

Eusebio Leal Spengler ist da anderer Ansicht. Er ist überzeugt davon, dass der Schlüssel zur Wiederauferstehung des Historischen Stadtkerns in der Sanierung der heruntergekommenen Gebäude liege. Und nur mit den Devisen der Touristen könne die Restaurierung weiter geführt werden. Fidel Castro gab seinem Stadthistoriker Anfang der 90er Jahre weitgehende Vollmachten, um Profite aus dem Tourismus zu erzielen. Diese Gewinne hat der 67-jährige deutschstämmige Leal Spengler nicht nur in die Grundsanierung des Stadtviertels gesteckt, sondern auch in Schulen und Wohnungen für Einheimische. Dem quirligen Museumsdirektor und Doktor der Geschichtswissenschaften an der Universität La Habana werden Jahr für Jahr zahlreiche Auszeichnungen verliehen, 2008 erhielt er den Preis “Olaguíbel 2008” der Offiziellen Architektur-Hochschule in Navarro, Spanien.



In den neugestalteten Straßen der alten Viertel wird Kunsthandwerk verkauft, Stelzenläufer, die schon früher zum Stadtbild gehörten, verdienen an den Besuchern und mobile Händler verkaufen Eis, kühle Getränke oder Zigarren. Und Arbeitsplätze schafft das riesige Stadtsanierungsprojekt allemal; insgesamt 10.000 Menschen sollen im Bausektor, in Restaurants und Hotels, dem Dienstleistungsgewerbe und bei der Stadtreinigung beschäftigt sein.

Seit 2008 haben sich die Zukunftsaussichten für Kuba erneut verschlechtert. Ende August und Anfang November 2008 fegten die drei Hurrikane Gustav, Ike und Paloma über die Zuckerinsel hinweg. Die Schäden wurden auf knapp zehn Milliarden US-Dollar geschätzt. Diese Naturkatastrophe hat das Wirschaftswachstum, glaubt man den offiziellen Statistiken, halbiert. Etwa 5 Millionen Hektar Ackerland liegen brach, die Folge sind enorm hohe Importe von Lebensmitteln, 80 % des gesamten Lebensmittelbedarfs werden eingeführt.

Inzwischen schlägt auch die globale Wirtschaftskrise voll auf Kuba durch. Der neue Wirtschafts- und Planungsminister Marino Alberto Murillo Jorge kündigte an, dass Konsumeinschränkungen unabdingbar seien. Durch die Stürme sind viele Gewerbe- und Wohnimmobilien stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Derzeit fehlen 500.000 Wohnungen. Mit finanzieller Hilfe aus Venezuela entsteht eine Fabrik zur Herstellung von PVC-Bauteilen für Fertighäuser. 14500 Häuser pro Jahr sollen gebaut werden. Aber der Betrieb wird seine volle Auslastung erst 2011 erreichen.

Der einzige Wirtschaftsbereich, der floriert, ist der Dienstleistungsbereich. Das hängt mit der wachsenden Zahl der Touristen zusammen, immerhin 2,3 Millionen haben Kuba besucht. 2009 könnten aus dem Tourismus Gesamteinnahmen von 2,5 Mrd. bis 2,7 Mrd. US-Dollar erreicht worden sein.

Am 1. Januar 2009 feierten die Menschen auf der Insel den 50. Jahrestag der Kubanischen Revolution. Damals gab Raúl Castro die Parole aus, "den Gürtel enger schnallen". Das allein wird nicht ausreichen, um das Land wirtschaftlich voran zu bringen. Dennoch ist Kuba immer noch und auch weiterhin "die Perle der Karibik". Wer es sich leisten kann, dort Urlaub zu machen, wird wieder kommen. Die Schönheit der Insel ist beeindruckend und die Fröhlichkeit ihrer Bewohner ungebrochen. (ro)



Trailer zu einem Filmprojekt:
Havanna – die Kunst Ruinen zu bauen...



Foto 2: Annie Mole, CC2.0
Foto 3: exfory – Gran Teatro mit Ford Consul, CC2.0
Foto 4: Sam Meztli, CC2.0
Foto 6: Jim Snapper, CC2.0


Zum Nachlesen KUBA - Teil 1+2:

Kuba: Havanna – die Perle der Karibik (Teil 2)

Kuba: Havanna – die Perle der Karibik (Teil 1)

 

Nachtrag:
Aktuelle Wirtschaftstrends aus
www.gtai.de und
www.auswaertiges-amt.de