 |
03.04.2010
Brecht verlässt Deutschland
(hr). Still und von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt kehrte der Schriftsteller Bertolt Brecht am 23. Februar 1933 Deutschland den Rücken. Wie auch viele andere – Thomas Mann, Lion Feuchtwanger, Oskar Maria Graf, Albert Einstein, um nur wenige zu nennen - floh er vor der Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten. Er wußte, dass er dem braunen Terrorregime ein Dorn im Auge war. Wäre er nicht gegangen, dann hätten sie ihn geholt.
Am Vortag der Flucht von Bertolt Brecht war das Berliner Reichstagsgebäude in Brand gesetzt worden. Die Nazis behaupteten, die politische Linke sei für den Brand verantwortlich. Unter diesem Vorwand gingen sie gegen politisch Andersdenkende, Sozialisten, Kommunisten und Gewerkschafter vor und inhaftierten sie in improvisierten Konzentrationslagern.
Brecht war schon früh klar, dass mit dem Machtantritt der Nazis das Schlimmste befürchtet werden müsse. Bereits 1931 hat er formuliert, wie sich der braune Mob benehmen würde, wenn es mal so weit sei:
„Sie schießen ihre Pistolen in jeden besseren Kopf. Und sie kommen mindestens zu zweit. Und dann gehen sie ihre drei Mark abholen, aus ihrem goldenen Topf“.
Bild 1: Bertolt Brecht - Copyright: Regio Augsburg Tourismus GmbH - (pressetext.at)
Die fliegende Zigarre
An deren Form erinnerten die Luftschiffe, die gegen Anfang des vergangenen Jahrhunderts für gewaltiges Aufsehen sorgten. Benannt wurden sie nach ihrem Erfinder, dem Grafen Ferdinand Adolf Heinrich August von Zeppelin, der am 8. März 1917 gestorben ist. Rund siebzehn Jahre vor seinem Tod hat er sich seinen größten Wunsch erfüllt. Am 2.Juli 1900 hob der erste Zeppelin am Bodensee ab.
.jpg)
Die Fachleute jedoch äußerten sich anfangs mehr als skeptisch und bezeichneten das Luftschiff als „technischen Unsinn in Kolossalform“. Doch der Graf ließ sich nicht beirren und hielt an seiner Idee fest. Der Erste Weltkrieg brachte ihm dann das große Geschäft. Die Zeppelinwerke bauten fast 90 fliegendes Zigarren für das kriegsführende Deutsche Reich. Kurz vor seinem Tod bot sich der alte Graf Zeppelin beim Kaiser sogar noch persönlich als Frontflieger an.
Da sich aber die jeweiligen Flugabwehren technisch verbesserten, wurden die Zeppeline noch vor Ende des Ersten Weltkrieges aus dem Verkehr gezogen. Die unbeweglichen Ungetüme boten ein zu deutliches Ziel. Fast jeder Schuss war ein Treffer und jeder Treffer somit auch ein Absturz.

Heute fliegen die silbernen Zigarren wieder und ziehen auch bei uns am Bodensee friedlich ihre Bahnen.
Bild 2: Absturz des Marine Luftschiffs (LII) am 17.10.1918 (Foto gemeinfrei) Bild 3: Zeppelin Mainau auf Sightseeing-Tour (Copyright Fotodienst/hires 34405)
Das Jahrhundert-Genie
Am 14. März 1879 wird in Ulm wird in Ulm Albert Einstein geboren. Der Sohn jüdischer Eltern geht später nach Zürich und studiert Physik. Er gilt längst als anerkannter Wissenschaftler, als ihn Max Planck nach Berlin holt. Dem Ersten Weltkrieg steht Einstein skeptisch gegenüber und er verfasst kriegsablehnende Aufrufe, die jedoch verhallen.

Gegen Ende der 1920-er Jahre wird Einstein aufgrund seiner jüdischen Herkunft immer häufiger mit dem Tode bedroht. 1933, als Hitler an die Macht kommt, ist Einstein gerade auf Vortragsreise. Er kehrt nie wieder nach Deutschland zurück, bleibt erst einige Monate in Belgien und emigriert dann in die USA. Von dort aus beobachtet er mit Sorge die Geschehnisse in seiner alten Heimat. Er befürchtet, die Deutschen seien in der Lage, eine Atombombe zu bauen. Er schreibt einen Brief an den US-Präsidenten Roosevelt und versucht diesen zu überzeugen, den Nazis zuvorzukommen.
Als er dann sah, was die Bomben in Hiroshima und Nagasaki anrichteten, wurde Einstein überzeugter Pazifist und setzte sich unermüdlich für eine weltweite Abrüstung ein. Der frisch gegründete Staat Israel bot Einstein 1948 sogar die Präsidentschaft an, die er aber ablehnte. Der weltbekannte Wissenschafter starb 1955.
Bild 4: Albert Einstein mit Journalisten im Jahr 1934, bei den Ausführungen zu seiner berühmten Masse-Energie-Gleichung copyright: New York Times Photo Archives (pressetext.at)
Pro Tag drei Meter
Wie heißt der älteste Autotunnel, der durch die Alpen führt? Der Gotthard-Tunnel, werden die meisten sagen. Hier sei verraten: Die Antwort ist falsch. Zwar ist der Gotthard die längste Autoröhre, die man durch die Alpen getrieben hat, die älteste aber ist der St. Bernhard-Tunnel, ein gemeinsames Projekt der Schweiz mit Italien.

1958 vereinbarten die beiden Länder, unter dem Großen St. Bernhard einen Tunnel anzulegen. Ein gigantisches Vorhaben. Im Frühjahr 1962 trafen sich die Bautrupps der italienischen und der schweizerischen Wühlmäuse etwa in der Mitte der Röhre. Am 19.März 1964 wurde der Tunnel dann offiziell für den Verkehr geöffnet.
Knapp sechs Kilometer lang ist er und etwa sechs Jahre wurde daran gebaut, bis er endlich fertig war. Umgerechnet kamen die Bautrupps pro Jahr einen Kilometer weit oder etwa drei Meter am Tag. Die geplante Bauzeit wurde um drei Jahre überschritten. Während der Arbeiten verunglückten 13 Arbeiter tödlich.
Bei der Sicherheitsbewertung schneidet der St.Bernhard-Tunnel allerdings leidlich schlecht ab. Seit 2001 wurde zwar einiges investiert, aber das Lüftungssystem lässt immer noch zu wünschen übrig, ebenso wie die Fluchtmöglichkeiten. Was bleibt? Augen (besser nicht) zu und durch.
Bild 5: www.sitrasp.it
Der Gentleman
Wenn in Deutschland über den Boxsport geredet wurde, fiel immer der Name von Max Schmeling oder auch der von Bubi Scholz. Vor rund sechzehn Jahren hat sich das schlagartig geändert. Im März 1993 griff Henry Maske nach der Boxkrone der Profiboxer im Halbschwergewicht. Er galt in seinem WM-Kampf gegen „Prince“ Charles Williams als Außenseiter, besiegte aber den hohen Favoriten eindeutig.
Ein neues Zeitalter im deutschen Profiboxen wurde von Maske eingeläutet. Die Fernsehanstalten übertrugen jeden seiner Kämpfe, die Einschaltquoten erreichten Höhen, die man bislang bei Faustkämpfern nicht kannte. Maske inszenierte sich und ließ sich inszenieren. Auch sein Kampfstil war ungewöhnlich. Er boxte auf technisch allerhöchstem Niveau, von dumpfer Prügelei konnte bei ihm keine Rede sein. Henry Maske galt als der „Gentleman“ unter den Boxern und nur selten sah man nach einer Ringschlacht Spuren des Kampfes in seinem Gesicht. Der Modellathlet sah auch noch verdammt gut aus, was dazu führte, dass der Anteil seiner weiblichen Fans ständig stieg.
1996 trat er in seinem letzten Kampf gegen Virgil Hill an – und verlor. Seine einzige Niederlage. Maske trat zurück. Elf Jahre später wollte er es aber erneut wissen und forderte Virgil Hill zum Kampf, der damals amtierender Weltmeister war. Alle rieten Maske ab, nach einer über zehnjährigen Pause wieder in den Ring zu steigen. Doch er tat es – und besiegte fast schon sensationell seinen alten Kontrahenten. Anschließend trat Henry Maske endgültig zurück. Der Gentleman hatte es nochmals allen gezeigt.
Bild 6: Deutsches Bundesarchiv (Creative Commons 3.0) - 6.11.1985: Klassensieg Henry Maskes im Mittelgewicht – der Europameister bezwang Adam Garland (USA-Nordamerika) einstimmig nach Punkten (5:0). Europas Auswahl gewann mit 45 Punkten vor Gastgeber Südkorea (21) und Pokalverteidiger Nordamerika I (20) erstmals den Weltcup.
|