Capri: Eines der schönsten Häuser der Welt
02.01.2010

Capri: Eines der schönsten Häuser der Welt

Die Casa Malaparte
Das Haus des Schriftstellers Curzio Malaparte –
gefilmt von Jean-Luc Godard, fotografiert von Karl Lagerfeld

Die Kamera schwenkt langsam nach rechts, über die Felsen und das Meer, das sich weit bis zum Horizont erstreckt. Dann erscheint ein Haus im Bild, das sich unauslöschlich auf der Netzhaut des Betrachters einbrennt. Es ist das Haus des Schriftstellers Curzio Malaparte, das er auf Capri auf einem steilen Felsen erbauen ließ. Er bezeichnete das Haus als „una casa come me: triste, dura, severa“ („ein Haus nach meiner Art: traurig, hart, streng“). Das Haus gilt als eines der schönsten Häuser der Welt.

Malaparte: Ich werde der erste sein, der hier ein Haus errichtet
»Dort, wo Capri am stärksten verwildert, am einfachsten und dramatischsten ist, wo das Menschliche in das Ungezähmte umschlägt, wo die Natur mit ihrer ungeheuren und entsetzlichen Kraft zu sich kommt – dort gibt es ein Vorgebirge von außerordentlicher Linienstrenge, das mit einer Felsenkralle ins Meer greift. Kein Ort in Italien hat solch einen weiten Horizont und bietet eine solche Tiefe der Empfindung. Dieser Ort ist zweifellos nur starken Menschen oder freien Geistern angemessen ... Ich, Curzio Malaparte, werde der erste sein, der hier ein Haus errichtet.« so schreibt Malaparte in einem Brief.

Als das Haus fertig war, soll General Rommel eines Tages die Casa Malaparte besucht haben. Malaparte selbst hat die folgende Begebenheit immer wieder erzählt. Auf Rommels Frage, ob er das Haus wirklich selbst gebaut habe, antwortete Malaparte: "Nein, das Haus habe ich so gekauft - aber die Landschaft, die habe ich selbst entworfen..."



Malaparte, der Exzentriker

Schon die Wahl seines Pseudonyms Malaparte zeigt, wie exzentrisch er war. Malaparte ist das Gegenwort zu (Napoleon) Bonaparte, abgeleitet von bono = gut und parte = der Teil; aber Malaparte bedeutet mala = schlecht, böse, die Lesart seines Pseudonym ist „schlechter, böser Teil“.

Malaparte, der Deutsch-Italiener
Kurt Erich Suckert, so sein bürgerlicher Name, wurde am 9. Juni 1898 als Sohn einer Italienerin und eines Deutschen in Prato bei Florenz geboren. In der ersten umfassenden Biografie erklärt der Autor Giordano Bruno Guerri die bizarren Charakterzüge des Künstlers auch mit dem Konflikt zwischen seiner deutschen und der italienischen Seele. Malaparte hielt den Kritikern im eigenen Land in einer für ihn typischen Weise entgegen: "Sie haben mir nie verziehen, dass ich 20 Zentimeter größer bin als die meisten italienischen Schriftsteller."

Aufsehen bis zuletzt
Selbst seine letzten Wochen in Rom gerieten zur Show: An seinem Krankenbett defilierten Politiker und Ex-Geliebte vorbei. Zuletzt trat das frisch gekürte KP-Mitglied zum katholischen Glauben über. Den größten Coup landete er jedoch in seinem Testament. Er vermachte sein Haus der chinesische Regierung – erst nach jahrelangen Streitigkeiten, erhielten es die Erben zurück.

Malaparte, der Schriftsteller
Nach seinem Tod 1957 wurde es in Italien seltsam still um das "enfant terrible" und sein schriftstellerisches Werk. Sein Kriegsepos Kaputt entstand 1944, vier Jahre später folgte Die Haut, ein "monströses Panorama über die Welt der Pogrome und Partisanenkämpfe", wie der Wiener Standard schrieb – beide Romane wurden gleich nach Erscheinen vom Vatikan auf den Index gesetzt. 2005 und 2006 sind sie von einem Wiener Verlag neu aufgelegt worden.

Jean-Luc Godards Film
Die eingangs beschriebene Filmszene stammt aus dem letzen Drittel des Films "Die Verachtung" (Le Mépris) von Godard, den er 1963 mit Brigitte Bardot, Michel Piccoli, Jack Palance und Fritz Lang nach einem Roman von Alberto Moravia gedreht hatte. Es gibt fast kein Interieur in dem weitläufigen Haus, das sich auf allen Seiten mit großen Fenstern zum Meer hin öffnet. In einer Filmsequenz, die damals als spektakulär galt, ist der schöne Po von Brigitte Bardot, nur von einem Buch spärlich bedeckt, während des Sonnenbadens auf der himmelstürmenden Terrasse zu sehen. Es hätte Curzio Malaparte gefallen, dass in seinem Haus ein Film gedreht wurde – er begeisterte sich Zeit seines Lebens für Inszenierungen – und für schöne Frauen.

Das Haus mit der gefährlichen Terrasse, auf der sich B.B. vor 47 Jahren so lasziv räkelte, ist wieder bewohnt. Ralph Jentsch, Kunstexperte und Nachlassverwalter von Georges Grosz, arbeitet hier an einer Neuauflage von Malapartes Werken, wie 3sat in einer Dokumentation berichtete. "Die Terrasse", so Jentsch, "braucht ebensowenig ein Geländer wie das Leben Malapartes."


Lagerfelds Buch

Karl Lagerfeld fotografierte dieses wohl elegischste Bauwerk der Welt. Der erste Teil des Bildbandes zeigt in melancholischen Aufnahmen, wie vollkommen sich das Gebäude in die Natur einfügt. Teil zwei dokumentiert Innenarchitektur und Einrichtungsgegenstände. Wie der Verlag mitteilt, ist das Werk inzwischen vergriffen.

Casa Malaparte
by Karl Lagerfeld
www.steidlville.com

 


Foto 1 + 2: Arnoud 25 (Casa Malaparte) - CC3.0