Bei uns im Süden steppt der Bär...
05.02.2012

Bei uns im Süden steppt der Bär...

Liebe Leser…

Hoorig - Ho, Narro - Narro, Narro - Narri, Narro… ich  bin ganz verwirrt von den verschiedenen Narrenrufen, denn jeder Ort scheint an Fasnacht auf sein individuelles Brauchtum zu setzen. Also haben wir für alle Freunde der „Fünften Jahreszeit“ in beiden Ausgaben insgesamt 16 närrische Sonderseiten gestaltet mit den wichtigsten Terminen der jeweilen Region. Das Ganze ist mit vielen Bildern aufgepeppt, die Lust machen auf Poppele & Co. Erst am Aschermittwoch kehrt wieder ein wenig Normalität in die Straßen und Gassen des „wilden Südens“ ein, wie SWR3 unser Sendegebiet schon vor Jahren werbewirksam genannt hat. Wer will schließlich nicht wild sein - Trantüten haben an der schwäbisch-alemannischen Fasnacht nix zu suchen!

Denn hier bei uns im Süden steppt der Bär: „Gar lustig ist die Fasenacht, wenn mei Muetter Küechle backt. Wenn sie aber keine backt, dann pfeif' ich auf die Fasenacht.“ Aber sie backt ja, die Gute: Fasnachtsküechle, Ausgezogene (die kennt man wohl nur in Bayern!) und mit Himbeermarmelade gefüllte Faschingskrapfen, die hier Berliner heißen. Ganz fies: jedes zehnte Exemplar dieses leckeren süßen Gebäcks wurde früher traditionell mit Sägemehl oder Meerrettich-Senf gefüllt! Die derzeitige Quote geben die fleißigen Backfrauen natürlich nicht bekannt! Da hilft dann auch kein Zeter und Mordio beim Reinbeißen, die Umstehenden lachen sich kaputt, denn „wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen,“ wußte schon unsere Oma.

Guggenmusik "Hohentwiel Burgteufel" - da steppt der Bär…

Woher der Name „Fasnacht“ kommt scheint mittlerweile geklärt, gemeint ist die Nacht vor der beginnenden Fastenzeit. Lustig klingt die Übersetzung der Bezeichnung Karneval - „carne vale“ bedeutet „Fleisch verschwinde“,
denn in den 40 Tagen vor Ostern wurde kein Fleisch gegessen. Fasching kommt von „Faschang“, Fastenschank - die Bedeutung liegt auf der Hand: gemeint ist der letzte Ausschank alkoholischer Getränke vor der damals noch strengen Fastenzeit.
 
Schon im 19. Jahrhundert war es zwischen Dreikönig und Aschermittwoch bei Straffreiheit erlaubt, die Obrigkeiten zu verspotten. Die heutigen Narrenspiegel sind aus einem Mix von Possenspiel, lustiger Narretei und einer gehörigen Portion Häme gestrickt. Das Volk jubelt, wenn über Fehlleistungen des politischen Personals Witze gerissen werden.

Ein schönes Beispiel  für die „Bestrafung“ von Politgrößen praktiziert das Hohe Grobgünstige Narrengericht zu Stocken seit 1351 immer am „Schmotzige Dunschtig“. Die mehrstündige Hauptverhandlung ist schon Wochen vorher ausverkauft und wird vom SWR-Fernsehen live übertragen. Das Strafmaß sieht, je nach Schwere der Schuld, als Buße die Lieferung von einem oder mehreren Eimern Wein (Hohlmaß vom 60 Litern !) bis zum Lätare-Tag vor - nur ein einziges Mal ist einer der Angeklagten straffrei ausgegangen. In diesem Jahr wird Philipp Rösler vorgeladen, Einst versprach er „zu liefern“ - wenn er jetzt nicht endlich liefert, dann ist er geliefert, meint das Stockacher Narrengericht!

Ganz heftig werden für unseren Bundespräsi CW die Rosenmontagsumzüge werden - (wenn er dann noch im Amt ist). Die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Zahlreiche Umzugswagen werden sich mit dem Thema „Pattex-BP“ befassen. Immer mehr Bundesbürger fragen sich inzwischen, ob sie zukünftig an diesem gut bezahlten Amtsträger-Azubi festhalten wollen. Als Qualifikation scheint es auszureichen, ohne das kleinste Unrechtsbewusstsein durch die Welt zu wandeln und dabei immer hübsche Krawatten zu tragen…

Ihre Roswitha Bosch

Fotos: © Roswitha Bosch