MENSCHEN UNSERER ZEIT: Heinrich Zille, der 'Pinselheinrich'
26.08.2011

MENSCHEN UNSERER ZEIT: Heinrich Zille, der 'Pinselheinrich'

(hr). Vor 153 Jahren wurde der Maler Heinrich Zille in Dresden geboren, verbrachte aber die meiste Zeit seines Lebens in Berlin, wo er 1929, im Alter von 71 Jahren, starb. Als Maler, Zeichner, Fotograf und Schriftsteller ist er weltberühmt geworden...

Heinrich Zille war gerade vierzehn Jahre alt, als er eine Lehre als Lithograph beginnt. Daneben lässt er sich von Theodor Hosemann, Professor an der „Königlichen Kunstschule“ in Malerei und Illustration ausbilden. Von seinem Meister erhielt er auch den wohl wichtigsten Ratschlag für sein späteres Künstlerleben. „Gehen Sie lieber auf die Straße hinaus, ins Freie, beobachten Sie selber, das ist besser, als wenn Sie mich kopieren. Ohne Künstler werden zu wollen, können Sie Zeichnen im Leben immer gebrauchen. Ohne Zeichnen zu können, sollte kein denkender Mensch sein“. Und Zille tat, wie ihm befohlen.

Nach Ende seiner Ausbildung bekommt Zille eine Gesellenstelle bei der „Photographischen Gesellschaft. 30 Jahre bleibt er da, erst dann, etwa ab 1890, beginnt er mit der Produktion eigener, ernsthafter Arbeiten.

Zu dieser Zeit entdeckt er „sein Thema“. Er fühlt sich zur proletarischen Unterschicht hingezogen, in die Hinterhöfe, Seitengassen und Kaschemmen der Arbeiterviertel.

1903 wird Zille in die neugegründete „Berliner Secession“ aufgenommen, einer Künstlergruppe, die sich unter dem Einfluss von Max Liebermann und Käthe Kollwitz vom akademischen Kunstbetrieb distanzierte. Im gleichen Jahr wurde Zille Mitarbeiter bei der legendären Münchner Satire-Zeitschrift „Simplicissimus“. Er perfektioniert seine Porträt- und Milieuzeichnungen, manchmal derb und prall, aber immer volksnah und unverwechselbar. Zilles Bildband „Mein Milljöh“ und die Zyklen „Hurengespräche“ und „Berliner Luft“ machen den Künstler, dem der liebevolle Beiname „Pinselheinrich“ verliehen wurde, endgültig berühmt.

1913 wird Zille Vorstandsmitglied der neugegründeten Vereinigung „Freie Secession“. Auf Betreiben Liebermanns wird Heinrich Zille 1924 in die Akademie der Künste aufgenommen und zum Professor ernannt. Den Höhepunkt seiner Beliebtheit erreicht Zille an seinem 70. Geburtstag, an dem die Ausstellung „Zilles Werdegang“ im Märkischen Museum Berlin realisiert wird.



Heinrich Zille, Berliner Strandleben (1912), Technik: Gouache

1929 stirbt Zille in Berlin und wird bei Potsdam beigesetzt. In Berlin wurde 2002 das Heinrich-Zille-Museum eröffnet. Eine ständige Erinnerung an einen großen Künstler, der, so Kurt Tucholsky, „die reinste Inkarnation Berlins verkörpert“.


Berliner Mutterwitz und Mundart:
„Mutta, jib doch die zwee Blumtöppe raus,
Lieschen sitzt so jerne ins Jrüne!“

– Zille –


Bild 1: "Tanzpaar", um 1905 (gemeinfrei)
Bild 2: Die Gedenkmarke der Deutschen Post AG (gemeinfrei)
zum 150. Geburtstag von "Heinrich Zille" –
ausgegeben zum 2. Januar 2008
Bild 3: "Berliner Strandleben", 1912 (gemeinfrei)