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05.10.2011
(hr). Klein, aber oho. Das pflegt man in der Regel durchaus anerkennend zu formulieren, wenn sich ein eher kleingewachsener Mensch durchboxt, sich von Rückschlägen nicht entmutigen lässt und irgendwann da ankommt, wo er oder sie schon immer hin wollte. Die Rede ist von Annett Louisan, der Sängerin, die sich mittlerweile einen festen Stammplatz erobert hat in der Musikwelt. Einer Illustrierten verriet die nur 1,52 Meter große Interpretin, unlängst gefragt nach ihrem größten Teeniewunsch: „Auf der Bühne zu stehen und in Paris, New York oder Berlin zu leben“. Fast alles davon ging in Erfüllung.
Geboren wurde Annett Louisan 1977 im ostdeutschen Havelberg. Sie selbst datiert ihr Geburtsjahr auf 1979. „Ich finde, das Alter ist etwas, was eine Frau charmant für sich behalten kann“, erklärte sie auf Anfrage. Diese kleine Koketterie sei ihr verziehen, es gibt Wichtigeres zu berichten über das kleine Energiebündel. Eigentlich heißt sie Annett Page, ihr Künstlername Louisan soll sie an ihre Großmutter erinnern, die mit Vornamen Louise hieß. Annett war ein Einzelkind und wuchs bei ihren Großeltern auf. Ihren Vater sah sie nur einmal kurz bei einer flüchtigen Begegnung. Er sollte auf ihre Erziehung und spätere Entwicklung keinerlei Einfluss haben.

Annett Louisan war gerade 13 Jahre alt, da zog sie mit ihrer Mutter nach Hamburg. In der Hansestadt studierte sie Kunstgeschichte. Da die kleine Familie finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet war, verdiente sich Annett etwas Geld als Studiosängerin dazu. Und wer läuft einem in Musikstudios naturgemäß über den Weg? Richtig, Leute vom Fach. Louisan hatte Glück, sie lernte Musiker kennen, die von ihrer Stimme angetan waren und ihr rieten, doch mal ein Demoband aufzunehmen. Die Idee war eine gute und es dauerte nicht lange, bis das 105 Music-Label von Sony auf die junge Sängerin aufmerksam wurde.
Als auch noch der Produzent Frank Ramond Gefallen fand an der Newcomerin, konnte nicht mehr allzuviel schief gehen. Im Herbst 2004 erschien Louisans Erstling Bohème. Die Auskopplung der Single Das Spiel schlug ein, viele Radiostationen brachten den ohrwurmigen Titel und es konnte los gehen mit der großen Karriere. Vor allem der Stilmix kam sofort gut an: diese Mischung aus französischem Chanson und Pop, bestäubt mit Folk- und Jazzelementen. Dazu hintergründige und durchaus poetische Texte und eine markante Stimme. Das alles vorgetragen mit charmant-kalkulierter Unbekümmertheit. Das Konzept ging schnell auf. Schon wenige Wochen nach der Veröffentlichung wurde Bohème mit Gold gekürt und kurz darauf kam auch noch Platin dazu. Nur selten in der deutschen Musikindustrie konnte ein Debütalbum einen vergleichbaren Erfolg vorweisen. Aber auch live surfte Louisan fortan auf der Erfolgswelle. Eine Tournee im Frühjahr 2005, die sie in 25 deutsche Städte führte, boomte: Die Hütten waren fast allesamt ausverkauft. Die anfängliche Skepsis vieler Musikexperten, die zweifelten, ob die Sängerin vor großem Publikum bestehen würde, schmolz wie Schnee in der Sonne. Nach der umjubelten Tournee gab es die „Goldene Stimmgabel“ und den „Neo-Award“ als Sahnehäubchen obendrauf.
Oft aber kommt nach einem jähen und unerwarteten steilen Höhenflug ein Tief. Nicht so bei Louisan. Im Herbst 2005 erscheint, rund ein Jahr nach ihrem Debüt, ihre zweite Scheibe. Unausgesprochen zeigt deutlich, dass die Sängerin, begleitet von exzellenten Musikern, sehr viel Potential hat und offensichtlich gewillt ist, ständig an sich zu arbeiten. Das Album überzeugt durch musikalische Weiterentwicklung. Weniger Pop, mehr Chanson ist da zu hören. Schön abgemischt mit Musette-Walzer, Tango und rhythmischen Bossa-Nova-Passagen.
Und auch das honorierten die Fans. Ihre teils ironischen Texte, über die sie nicht selten ihr ureigenstes Lebensgefühl nach außen trägt, kommen bestens an. Das Album hält sich über 50 Wochen in den deutschen Hitlisten. Eine darauf folgende Tournee im Frühjahr 2006 beschert Louisan wiederum ausverkaufte Hallen und höchst positive Kritiken. Sehr zur Freude der diversen Konzertveranstalter waren die Karten für die Tournee 2006 bereits Monate zuvor restlos unters Volk gebracht. Für Bohème gibt es nachträglich Doppelplatin, für Unausgesprochen Gold und Platin.
Im Sommer 2007 bringt die fleißige Künstlerin mit Das Optimale Leben ihre dritte CD heraus, im Oktober 2008 folgt Teilzeit-Hippie und Anfang 2011 In meiner Mitte. Natürlich jeweils begleitet von längeren Tourneen, bei denen Louisan regelmäßig ihre Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellt. In ihrer spärlich bemessenen Freizeit besinnt sie sich gerne auf ihre alte Liebe, die Malerei. Fernab von Studio und Bühne engagiert sie sich für die Leukämie-Stiftung von José Carreras und ist auch offizielle Botschafterin von „Fairtrade“, einer Organisation, die sich für einen fairen Welthandel einsetzt. Das hätte ihrer Großmutter Louise wahrscheinlich gefallen.
Konzerte: ANNETT LOUISAN Stuttgart, Liederhalle Sonntag, 30. Oktober 2011, 20.00 Uhr
Zürich, Kongresshaus Donnerstag, 17. November 2011, 20.00 Uhr
Tickets: www.eventim.de
Alle Fotos: Jim Rakete
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