TV3 TITEL-STORY: Vom Underdog zum Ritter
28.08.2011

TV3 TITEL-STORY: Vom Underdog zum Ritter

(hr). Geboren wurde Robert Fredrick Zenon Geldof am 5. Oktober 1951 in Irland. Der mittlerweile ältere Herr strebt hurtig seinem 60. Geburtstag entgegen und ist – wenn man Aussagen aus seinem direkten Umfeld Glauben schenken will  –  im Herzen ein umtriebiger, kritischer und aufmüpfiger Geist geblieben. Ein solcher war Bob Geldof schon in jungen Jahren, was ihm ein bewegtes Leben bescherte. Wir werfen einen Blick zurück.

Geldofs Vater verdiente seine Brötchen als braver Vertreter für Glaswaren und Teppiche und starb erst vergangenen August im hohen Alter von 96 Jahren. Seine Mutter betrieb in der Nähe von Dublin ein Kino, erlag aber einer
schweren Krankheit, als Bob junior gerade mal acht Jahre alt war. Das brachte einiges durcheinander in der Familie und Bob wurde in einem katholischen Internat zwischengelagert. Über diesen Abschnitt seines Lebens äußerte sich Geldof Jahre später wenig freundlich:

„Irland hatte eine absurd hohe Arbeitslosigkeit, einen Bürgerkrieg und eine kriminelle Regierung. Die Priester waren damit beschäftigt, die Kinder ihrer Gemeindemitglieder zu missbrauchen, aber niemand sagte etwas. Wir lebten in einer Republik des Schweigens. Aber es liegt nicht in meiner Natur zu schweigen.“

Ab Ende der sechziger Jahre schlug sich Bob Geldof als Straßensänger und LKW-Fahrer durchs Leben. Die damalige Abneigung gegen seine irische Heimat trieb ihn nach Kanada, wo er als freier Journalist für diverse Musikmagazine schrieb. 1975 kehrte er nach Irland zurück. Anfangs verfasste er auch hier Artikel aus der Musikwelt. Sein spontaner Entschluss, es doch mal selbst als professioneller Musiker zu versuchen, war wohl der beste Einfall seines Lebens.

In Dublin gründete er mit alten Freunden die Rhythm’n’Blues Band „The Nightlife Thugs“, aus der kurz darauf die legendären „Boomtown Rats“ hervor gingen. Recht schnell wurde ein Plattenvertrag abgeschlossen und von da an führte der Weg steil nach oben.

Der größte musikalische Erfolg der New Wave-Kombo war sicherlich das Stück „I Don’t Like Mondays“, mit dem sich die Rats in die internationalen Charts spielten. Neben den „Sex Pistols“ und „Clash“ zählte man die „Boomtown Rats“ zur Crème der frühen Punkszene. Der medienerfahrene Bob Geldof war charismatischer Sänger und Kopf der Gruppe, der er bis 1986 angehörte. 1982 nahm er die Hauptrolle in Alan Parkers Verfilmung des Pink Floyd-Epos „The Wall“ an und machte auch dabei eine durchaus passable Figur.

Gegen Mitte der achtziger Jahre dann ein erneuter Bruch in Geldofs Leben. Fernsehberichte über die Hungerkatastrophe in Äthiopien, von der Millionen Menschen betroffen sind, erschüttern ihn nachhaltig und er beschließt, etwas gegen das drohende Massensterben zu unternehmen. Kurzerhand setzt er sich mit dem Musiker Midge Ure von der Gruppe „Ultravox“ zusammen. Das Duo schreibt das Lied „Do They Know It’s Christmas?“, das er mit 40 bekannten Kollegen aufnimmt, darunter Stars wie Bono, Paul Mc Cartney und Sting. Das Projekt „Band Aid“ war geboren.

Da die karitative Idee weltweit auf positive Resonanz stieß, sollte es nicht bei einer einmaligen Aktion bleiben. Am 13. Juli 1985 organisierte Geldof zusammen mit seinen Freunden zwei gigantische Konzerte in Philadelphia und London. Geldofs Botschaft an die Musikfans war deutlich: „Gebt uns euer Scheißgeld“. Fast 1,5 Milliarden Zuschauer verfolgten die Auftritte von „Band Aid“ vor dem Fernseher. Durch Spenden und Tantiemen kamen rund 150 Millionen US-Dollar in die Kasse, die für die Hungerhilfe in Afrika verwendet wurden.

Mit „Band Aid II“ und „Band Aid 20“ folgten weitere Konzerte in den Jahren 1989 und 2004 und Bob Geldofs Engagement führte dazu, dass man ihn mehrmals für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen hat. Die Queen adelte den früheren irischen Vorstadtrocker sogar zum Ritter, den Titel „Sir“ darf er als Ire allerdings offiziell nicht tragen. Seine musikalischen Erfolge als Solokünstler sind  während dieser Jahre bescheidener Natur, mehrere Scheiben dümpelten eher im Niemandsland. Was Geldof dann doch frustrierte. „Live Aid hat meine Karriere ruiniert“, soll er behauptet haben.

Sein soziales Engagement findet weit mehr öffentliches Interesse. Zusammen mit Bono kämpft er beharrlich für den Schuldenerlass der ärmsten Länder der Welt. Sie suchen den Kontakt zu Politikern, geben Konzerte und fordern unablässig und mit Nachdruck, das Elend in der Dritten Welt wahr zu nehmen und auch danach zu handeln, denn „alle drei Sekunden stirbt dort ein
Mensch, weil wir nichts tun“. 2004 brachte Geldof nochmal die „Boomtown Rats“ in Erinnerung und veröffentlichte neu abgemischte Alben und bisher unbekanntes Material der legendären Truppe.

2006 bekam Bob Geldof bei der „Echo“-Verleihung den Sonderpreis der Deutschen Phonoakademie, Campino von den „Toten Hosen“ hielt dabei die Laudatio. Nach einer fast zehnjährigen Produktions- und Schaffenspause machte Geldof auch wieder musikalisch auf sich aufmerksam. Mit „How To Compose Popular Songs That Will Sell“ setzte er Anfang 2011 ein interessantes Ausrufezeichen. Man darf getrost davon ausgehen, dass „Sir“ Bob Geldof noch lange nicht zum Altenteil gehört.   


Konzert: Bob Geldof
Die Pop-Legende - CH-exklusiv!
Dienstag, 04. Oktober 2011, 20.00 Uhr
Zürich, Kaufleuten
Tickets: www.kaufleuten.ch
Veranstalter: Kaufleuten und All Blues Konzert AG

Fotos: All Blues Konzert AG