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23.07.2011
PORTRÄT: Alexander Moissi 1879-1935Weltstar, Frauenschwarm und Abenteurer Ausgerechnet hier in Singen wird das Andenken eines Weltstars aus Albanien lebendig erhalten: Mal Myrtaj, Künstler und Kosovo-Albaner, möchte alle Lebensstationen seines großen Idols aufsuchen – bis zu seiner letzten Ruhestätte, hoch über dem Luganer See. Myrtaj war es auch, der mich neugierig machte auf seinen großen Landsmann, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts am Deutschen Theater in Berlin als blutjunger Theaterschauspieler eine erstaunliche Karriere begann. Im Ensemble des großen Intendanten Max Reinhardt erhielt er bald begeisterte Kritiken. Franz Werfel schildert die erste Begegnung mit Alexander Moissi als unvergesslichen Augenblick, als diese »staunend riesigen Augen« im Sommer 1910 auf ihn gerichtet waren. Die Stimme des jungen Künstlers, der lediglich in einer Nebenrolle auftrat, beschreibt er mit dem Satz, »von ihrer gefährlichen Macht betäubt, ging ich aus dem Theater.« Moissi wurde 1879 in Triest geboren. Er lebte abwechselnd beim Vater, dem wohlhabenden albanischen Kaufmann und Reeder Konstantin Moisiu in der albanischen Hafenstadt Durasso, und bei der Mutter in Triest. Als 19-Jähriger ging er 1898 nach Wien und begann ein Gesangsstudium. Am Burgtheater, wo er sich um eine Schauspielausbildung bewarb, wurde er wegen seines italienischen Akzents nur mit stummen Rollen besetzt.
Auf seinen Tourneen in die Metropolen Europas und Amerikas wurde Moissi frenetisch umjubelt und gefeiert, in Berlin war er nur noch in Gastrollen zu sehen. Auch als Schauspieler war Moissi erfolgreich. Zwischen 1913 und 1935 wirkte er in elf Stumm- und zwei Tonfilmen mit. Nur 55 Sekunden seines filmischen Werks sind in einer Sequenz der Wochenschau erhalten geblieben: Moissi in der Rolle des Selbstmörders Fedja in „Der lebende Leichnam“ von Leo Tolstoi – 1500 mal hat er den zivilisationsmüden Aussteiger auf der Bühne verkörpert. 1933 kehrte Moissi Deutschland den Rücken. Noch auf dem Totenbett soll ihn ein Telegramm aus Rom erreicht haben, in dem ihm die italienische Staatsbürgerschaft angeboten wurde. Auch die Albaner stellten ihm einen Pass in Aussicht. Jedoch konnte die Frage der nationalen Zugehörigkeit nicht mehr entschieden werden, Alexander Moissi starb im März 1935 an den Folgen einer Lungenentzündung. Eine schlichte Steinplatte bezeichnet sein Grab auf dem malerischen Friedhof von Morcote, hoch über dem Luganer See. Kommende Generationen haben diese faszinierende Lebensgeschichte ebenso spektakulär fortgeführt. Bettina, die einzige Tochter von Alexander und Maria Moissi, wuchs in der Schweiz auf und wurde Filmschauspielerin. Aus »rassischen« Gründen mit einem Filmverbot belegt, spielte sie ab 1943 unter der Leitung von Gustav Gründgens am preußischen Staatstheater. Erst 1946 begann sie wieder als Schauspielerin zu arbeiten. 1959 heiratete Bettina Moissi den Kunstsammler und Mäzen Heinz Berggruen, 1961 kam Sohn Nicolas zur Welt, 1963 der zweite Sohn, Olivier. Vor nicht allzu langer Zeit hat die Nicolas Berggruen Holdings GmbH hier in Deutschland ein enormes Interesse entfacht. Der 49-jährige, als Philanthrop geltende Firmenchef, der angeblich kein Auto besitzt und in Hotels wohnt, unterzeichnete nach zähen Verhandlungen am 8. Juni 2010 den Kaufvertrag für die Warenhaus-Kette Karstadt. Er tilgte Verbindlichkeiten in Höhe von 70 Millionen Euro und will in den kommenden vier Jahren weitere 400 Millionen investieren. Nicolas Berggruen, der Karstadt-Retter, ist der Enkel des berühmten Theaterschauspielers Alexander Moissi und der Sohn des noch berühmteren Kunstsammlers Heinz Berggruen, der seiner Vaterstadt Berlin 165 Werke der Klassischen Moderne übereignete, darunter 100 Exponate Picassos. (ro)
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Entdeckt wurde Moissi von dem berühmten Burgschauspieler Joseph Kainz in Wien. Moissi spielte in Molières Tartuffe den stummen Diener, Kainz die Titelrolle. Er setzte sich schon am nächsten Tag beim Theaterdirektor für Moissi ein, mit der Begründung, er habe den »Schauspieler der Zukunft« gesehen. Nach einem Engagement in Prag wechselte Moissi 1903 nach Berlin. Dort arbeitete er mit Max Reinhardt, der an Moissis Fähigkeiten unerschütterlich glaubte und sich durch seinen Akzent nicht abschrecken ließ. Nach wenigen Jahren hatte sich Moissi durchgesetzt und führte bald ein Leben als Frauenschwarm und Abenteurer, der die Schlagzeilen der großen Zeitungen dominierte. Er wurde zum bestbezahlten Bühnenschauspieler seiner Zeit. Franz Kafka schrieb 1912 in sein Tagebuch: „Die Stimme schien wie ein leichtes Boot im Wasser, […] manche Worte wurden von der Stimme aufgelöst.“



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