TV3-TITELSTORY: Stillgestanden, Captain Blunt!
11.02.2011

TV3-TITELSTORY: Stillgestanden, Captain Blunt!

(hr). Dass aus ihm, dem Berufssoldaten im Dienste Seiner Majestät Queen Elizabeth, jemals ein gefeierter Songwriter und Popstar werden könnte -  daran hat James Blunt wohl nur im Traum gedacht. Ist ja auch schwer vorstellbar: Da robbte einer weitgehend sinnentleert unter Stacheldraht durch, plagte sich bei Gewaltmärschen, unterzog sich Tag für Tag militärischem Drill, schlug lange Jahre vor Vorgesetzten die Hacken zusammen, und lässt sich seit geraumer Zeit in einer Art zweitem Leben als Musiker feiern. Das muss ihm erstmal einer nachmachen.

Der 1974 in England geborene James Blunt wuchs in einer Familie auf, der das Waffenhandwerk bestens vertraut ist. Sein Vater war beim Militär und so wunderte es auch niemanden, dass Blunt junior in einem Militärkrankenhaus zur Welt kam. Schon als Steppke wurde er in ein Internat gesteckt, entdeckte sein Interesse an Naturwissenschaften und da vor allem an der Mathematik. Mit 14 bezupfte er mit zunehmender Begeisterung eine Gitarre und schrieb eigene Lieder dazu. Das allerdings kam seinem Vater, der militärische Blaskapellen bevorzugte, dann doch langsam suspekt vor. Also ab mit dem Nachwuchs in das Stahlgewitter einer ernsthaften Existenz: Auch der junge Blunt landete bei der Armee.

1999, da war der Junge gerade mal 25 Jahre alt, kam er mit seinem Regiment in den Kosovo, wo die internationalen Truppen als Friedenssicherer auftreten sollten. Doch James Blunt stand der Sinn nicht nur nach kriegerischem Friedensdienst: Er hatte seine Gitarre im Marschgepäck und verfasste fernab der heimatlichen Scholle den Song No Bravery.  Ein melancholisches Stück über die Zustände eines vom Krieg zerrissenen Landes auf dem Balkan. Zurück in London blieb der mittlerweile zum Offizier beförderte Blunt noch eine Weile bei der Armee. Zum Ende seiner Militärkarriere war er einer der Sargträger bei der Beerdigung von Queen Mum am 9. April 2002. Dann kehrte er der Armee endgültig den Rücken zu. Das Leben, dachte er, hat Interessanteres zu bieten.



Aber was nun? Wie so oft im Leben, kam der Zufall um die Ecke. Der Musikproduzent Tim Rothrock wurde auf Blunt aufmerksam und Linda Perry, Songwriterin für Christina Aguilera und Pink, war angetan vom musikalischen Talent Blunts. Bereits im Spätsommer 2003 nahm er dann in Los Angeles sein Debutalbum Back to Bedlam auf. In Großbritannien katapultierte sich das Album recht flott an die Spitze der Charts und auch die Single You’re Beautiful siedelte sich ganz oben an. Und nicht nur das: Auch ein gewisser Elton John schlug schier ein Rad vor Begeisterung und gebärdete sich fortan als Fan des Newcomers James Blunt. In der Tat: Einen Durchmarsch in dieser Größenordnung konnte zuletzt Landsmann Rod Stewart in den siebziger Jahren verzeichnen.

Captain Blunt wurde nun mit mehreren Auszeichnungen für seinen musikalischen Raketenstart geehrt und bereits Ende 2005 hatte er rund 6 Millionen Tonträger unters Volk gebracht. Für Statistiker: In 19 Ländern war Back to Bedlam in den Top 10 vertreten, davon in elf Ländern auf Platz 1 und in fünf Ländern auf Platz 2. Außerdem war Blunt 2005 der erste britische Sänger seit fast einem Jahrzehnt, der die Spitzenposition in den US-Charts erobern konnte. Dazu kamen ausgiebige Tourneen in seiner Heimat und durch das restliche Europa. Im September 2007 erschien sein zweites Album All the Lost Souls. Darin setzt er sich überwiegend mit seinen persönlichen Erfahrungen innerhalb des Musikgeschäftes auseinander. Wieder ein durchschlagender Erfolg. Mit ausgiebigen Welt-Tourneen vergrößerte er seine Fanschar, die täglich anwuchs.

2010 dann Blunts drittes Album Some Kind of Trouble. Die erste Singleauskopplung Stay the Night war schnulzig genug, um der Titelsong für die Sat.1-Serie „Hand aufs Herz“ zu werden. Ende November 2010 gab Blunt in einem BBC-Interview bekannt, er habe während des Kosovo-Krieges ein militärisches Desaster verhindert, das seiner Meinung nach sogar den Dritten Weltkrieg hätte auslösen können. Wahnideen oder nur ein PR-Gag für seine neue Platte? Wir wissen es nicht, aber der von Blunt ins Gespräch gebrachte Vorfall ist zumindest kein Hirngespinst und hinreichend dokumentiert.

Er habe damals als führender Offizier den Befehl erhalten, den Flughafen nahe der Stadt Pristina zu erobern. Da dieser aber schon von zwei russischen Hunderschaften besetzt gewesen sei, habe er sich der Anweisung, die Russen anzugreifen widersetzt, aber damit riskiert, sich eventuell vor einem Kriegsgericht verantworten zu müssen. Doch unser smarter Songwriter erhielt Rückendeckung von einem britischen General und kam so unbeschadet aus der Geschichte raus.

Was sagt uns das? Stell Dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin. Eine durchweg sympathische Vorstellung.


Tourdaten in Ihrer Nähe:
„Some kind of trouble Tour“

Stuttgart, H.-M.-Schleyer-Halle,
Mo., 21.03.11, 20.00 Uhr
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München, Olympiahalle
Mi. 23.03.11, 20.00 Uhr
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Foto 1+2: WarnerMedia