TV3-TITELSTORY: Der erfolgreiche Wellensittich
31.01.2011

TV3-TITELSTORY: Der erfolgreiche Wellensittich

(hr). Wer vom australischen Kontinent spricht, denkt als klischeebehafteter Zeitgenosse  womöglich zuerst an herumhoppelnde Känguruhs und endlose Weiten. Ethnologisch Interessierte werden beim Thema wohl eher an die leidvolle Geschichte der Aborigines erinnern, denen dieses riesige Land einst gehörte und die dann bedauerlicherweise Opfer einer plötzlich einsetzenden Zuwanderung wurden. Der Sportfreak indes schnalzt mit der Zunge, wenn es um die „Aussies“ geht und schwärmt eventuell enthusiastisch von den schwimmenden Superstars aus dieser Ecke, die regelmäßig bei Großveranstaltungen auf dem Siegertreppchen stehen und deren Reservoir an talentierten Schwimmern unerschöpflich zu sein scheint. Australien also.

Fragt man den gemeinen Sangesfreund, welche musikalischen Gipfelstürmer er mit Aussie-Land verbindet, dann werden folgende Interpreten wohl mit an der Spitze stehen: AC/DC für die etwas härteren Rockfans und Kylie Minogue, die  mittlerweile zur Popikone geadelte Sängerin aus Melbourne. Die 1968 geborene Minogue, ihre Schwester Dannii ist ebenfalls Schauspielerin und Sängerin, trat schon als Kind in Fernsehsendungen auf. 1986 bekam die 18-jährige Kylie eine Rolle in der TV-Soap „Neighbours“ (Nachbarn), wo sie an der Seite von Jason Dawson spielte. Die seicht-unterhaltsame Serie war der Startschuss für die weitere Karriere von Kylie Minogue – innerhalb kürzester Zeit wurde sie in ihrer Heimat populär. Ab 1987 wurde „Neighbours“ auch in Großbritannien ausgestrahlt, was dem künstlerischen Fortkommen Minogues einen europäischen Schub verschaffte.



Ob ihres Erfolgs in Australien hatten Agenten anderswo auf dieser Welt längst ihre Lauscher aufgestellt. So war es auch kein Zufall, dass das englische Produzententeam Stock/Aitken/Waterman, kurz SAW, Kylie Minogue auf seiner Liste mit ganz oben hatte und ihr einen Plattenvertrag anbot. Schon 1988 erschien Minogues erste Single „I Should Be So Lucky“ und wurde innerhalb kürzester Zeit zu einem weltweiten Hit. Kurz darauf kam mit einfach „Kylie“ ihr erstes Album auf den Markt. Das erhoffte Geschäft mit der trällernden Blondine kam umgehend auf Betriebstemperatur: „Kylie“ ging mehr als sieben Millionen Mal über den Ladentisch und wurde in Großbritannien zum meistverkauften Album des Jahres 1988 gekürt. Minogues eingängige und gefällige Popsongs kamen an, das Konzept passte. Da konnte sie es auch locker verkraften, wenn gestrenge Musikkritiker sich über sie lustig machten und die Australierin etwas despektierlich als „singenden Wellensittich“ bezeichneten.



In den kommenden Jahren arbeitete Minogue hartnäckig daran, ihren schnell erworbenen Ruhm nicht leichtfertig zu verspielen. Ihre Songs platzierten sich regelmäßig in den Charts, ob in Europa oder auch im fernen Japan. Anfang der neunziger Jahre stagnierten zwar die Verkaufszahlen etwas, aber 1991  konnte sie durchaus mit Stolz verzeichnen, dass sie die erste Sängerin überhaupt war, deren erste 13 Scheiben alle in den britischen Top 10 auftauchten. Kylie Minogue wurde musikalisch etwas ex-perimentierfreudiger und nahm 1995 im Duett mit Nick Cave ein viel beachtetes Stück auf: „Where the Wild Roses Grow“. Sie hatte auch keinerlei Skrupel, in anderen Bereichen auf sich aufmerksam zu machen. Die schwedische Modekette H&M nahm sie 1998 unter Vertrag und Minogue avancierte in einem europaweiten Werbefeldzug zum Unterwäschemodel mit  einer kräftigen Dosis Sexappeal. Sex sells, das war schon immer so.

Anfang des neuen Jahrtausends besann sich Minogue wieder auf ihre musikali-schen Qualitäten und feierte mit der Hitsingle „Can’t Get you out of my Head“ aus ihrem Album „Fever“ eine Art internationales Comeback. Was nur wenigen gelang: Der Song kletterte in allen europäischen Ländern – nur Finnland verweigerte sich – auf Platz1 der jeweiligen Charts. Auch das Album selbst machte Furore und verkaufte sich über sechs Millionen Mal. 2005 dann aber ein privater Tiefschlag. Diagnose Brustkrebs, eine lange, aber schlussendlich erfolgreiche Chemotherapie folgte. Aber schon ein Jahr später war Minogue wieder auf der Bühne, brachte mit „Showgirl Princess“ ein Kinderbuch heraus und besserte ihr eh schon üppiges Konto auf, indem sie mit dem  Parfüm „Darling“ in die Duftwasserabteilung einstieg. 2008 kam auch noch die Heimtextilien-Kollektion „Kylie at home“ dazu und ihre große Fanschar kann sich nun glücklich schätzen, in Kylie-Bettwäsche zu nächtigen. 2008 wurde ihr von Prinz Charles der Orden „Order of the British Empire“ für ihre Verdienste um die Musik verliehen.

Wir sehen, der einst spöttisch belächelte Wellensittich hat mittlerweile eine enorme Flügelspannweite erreicht. Jetzt fehlt eigentlich nur noch ein Anruf aus dem Vatikan und die baldige Aussicht auf Seligsprechung.


Tourdaten:
„Aphrodite“ Les Folies Tour 2011

05.03. München, Olympiahalle - Tickets: www.ticketonline.com
06.03. Mannheim, SAP Arena - Tickets: www.koko.de


Fotos: EmiMusic © William Baker