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07.10.2010
(hr). Vor allem älteren Semestern treibt es in der Regel das Wasser in die Augen, wenn die Rede auf Sissi kommt. Ach ja, das waren noch Zeiten, als die junge Romy Schneider als unglückliche Kaiserin Sissi vergöttert wurde. Eine Rolle, die der großen Schauspielerin wie eine Klette anhaftete und zeitlebens nicht abfallen wollte. Aber heute, hier und jetzt geht es um eine völlig andere Sissi, die bald auch unsere Region livehaftig beehren wird: Die Schauspielerin, Musikerin und Entertainerin Sissi Perlinger.
Elisabeth Judith Michaela Perlinger wurde am 3. Dezember 1963 in Furth im Wald geboren. Da das Örtchen so aussieht, wie es heißt, müssen wir uns darüber keine weiteren Gedanken machen. Die kleine Sissi habe, so ihre Mutter, schon in der Wiege ständig gesungen und nie geweint. Das klingt zwar gut, ist aber sicher an den Haaren herbei gezogen. Eine weitere Aussage: „Sie war ein gut aufgelegtes Kind“, ist da etwas glaubhafter. Doch so harmonisch, wie die Erinnerungen vermuten lassen, empfand Sissi Perlinger ihre Kindheit nicht. Sie war gerade mal drei Jahre alt, da verließ der Vater die Familie. Das sei für sie, erzählte sie neulich in einem Interview mit der Münchner „Abend-zeitung“ ein „großer Schmerz“ gewesen.
Irgendwie hat sie sich dann doch durchgekämpft und schaffte „den ganzen Wahnsinn (Abitur genannt), der da mit Kindern getrieben wird“. Kurz darauf, mit 19 Jahren, sei eine „Bildungswut“ über sie hereingebrochen und die junge Perlinger verabschiedete sich Richtung Frankreich. „Eine langwierige und äußerst vielseitige Ausbildungszeit, die bis zum heutigen Tage in keiner Weise abgeschlossen ist“. Im Klartext: Sissi Perlinger begab sich nach Paris, sang und tanzte auf Straßen und öffentlichen Plätzen, um sich Geld zu verdienen für eine professionelle Tanz- und Gesangsausbildung. Das war und ist auch immer noch, so ihre Einschätzung im Rückblick: „Die beste Schule für einen werdenden Entertainer. Wenn man nicht gut genug ist, gehen die Leute weg.“ Sie war wohl gut genug. Zurück in Deutschland bekam sie gleich das erste Engagement. In München übernahm sie für zwei Jahre einen Gesangspart bei der Gruppe „The high cat“. Anschließend absolvierte sie eine Schauspielausbildung in Wien, München, Los Angeles und New York. Eine Gesangsausbildung für Klassik, Pop und Jazz kam dazu.
Sissi Perlinger fing schon früh an, eigene Bühnenprogramme zu schreiben und von einer eigenen Show zu träumen. Warum auch nicht? Sie kann singen, tanzen und gibt auch an der Gitarre eine ebenso gute Figur ab wie am Schlagzeug. Die Allrounderin ging also ab Mitte der achtziger Jahre auf Tournee. Mal solo, mal mit einer Band – und erarbeitete sich allmählich einen Namen als durchaus begabte Entertainerin.
Parallel dazu wusste sie ab 1990 auch immer wieder als Schauspielerin in Film und Fernsehen zu überzeugen.. Ihr Stellenwert stieg und bald kamen die ersten Auszeichnungen. 1992 der Deutsche Kleinkunstpreis, 1997 der Merkur-Preis für die „beliebteste Bühnenpersönlichkeit Münchens“, im gleichen Jahr der Adolf-Grimme-Preis in Gold für die beste Schauspielerin des Jahres in dem Film Der letzte Kurier, und 2008 der Bayrische Kabarettpreis in der Sparte Musik. Allein diese Liste zeigt die Vielseitigkeit der Künstlerin Sissi Perlinger.

Doch zu Erfolgen gehören auch schmerzliche Niederlagen und tiefe Wellentäler. Perlinger hat einige hinter sich. Mitte September kam ihr Buch heraus „Auszeit – der Perlinger-Weg ins Glück“. Offen schildert sie darin auch die weniger schönen Zeiten in ihrem Leben. Vor rund zehn Jahren kam irgendwie alles zusammen: Ein Tinnitus auf beiden Ohren, gesundheitliche Beschwerden und dann auch noch die Trennung von ihrem langjährigen Lebenspartner. Da sass sie in einem ziemlich tiefen Loch und benötigte eine längere Zeit, bis sie da wieder raus kam. Selbstironisch verarbeitet sie diesen Abschnitt ihres bunten Lebens und die gemachten Erfahrungen flossen auch ein in ihre neue Bühnenshow, mit der sie ab Oktober auf Tour ist: „Gönn dir ’ne Auszeit“.
Wobei Sissi Perlinger ihren Jahresablauf recht eigenwillig einteilt. In ihrer Auszeit (Winter in Indien, Sommer auf Ibiza), versucht sie sich als Künstlerin weiter zu entwickeln. Anschließend (Herbst und Frühling) kommt die Applauszeit. Dann ist sie regelmäßig auf Tournee ist und hofft, für ihre Arbeit vom Publikum den verdienten Lohn zu erhalten. Ob das klappt, wird man am 31. Oktober in der Stadthalle Tuttlingen erleben.
Sissi Perlinger kommt mit ihrer neuen Bühnenshow auch nach Zug und Winterthur in die Schweiz – siehe Tourdaten:
„Gönn dir ne Auszeit“ Freitag, 29.10.2010 Chollerhalle in Zug CH, Beginn, 21.00 Uhr www.chollerhalle.ch www.startticket.ch
Samstag, 30.10.2010 Casinotheater in Winterthur CH, Beginn, 20.00 Uhr www.casinotheater.ch
Sonntag, 31.10.2010 Stadthalle Tuttlingen, Tuttlingen Beginn 19.00 Uhr www.tuttlinger-hallen.de
Foto 1: © Jens von Zoest Foto 2: © Fr. Duygutozachan
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