Liebe Leser... Luxus für Caribou-Barbie
30.10.2008

Liebe Leser... Luxus für Caribou-Barbie

…Elke Heidenreich hat, nach ihrem Erfolg befragt, einem neugierigen Kollegen nur mit einem Wort geantwortet: „Glaubwürdigkeit“. Genau diese scheint die Vizekandidatin der Republikaner, Sarah Palin, wenige Tage vor der Präsidentenwahl in den USA absolut verspielt zu haben, wenn sie diese Eigenschaft denn je besessen hat. Und damit ist an dieser Stelle nicht der erwiesene Vorwurf des Amtsmissbrauchs gemeint.

Im Internet-Portal „Politico“ gehen die Wogen hoch, denn „Caribou-Barbie“, wie Palin genannt wird, hat allein im Monat September 150.000 Dollar an Spendengeldern für teure Garderobe, Make-up und Hairstyling ausgegeben. Es werden bereits Stimmen von Spendern laut, die ihr Geld zurück haben wollen. Viele Amerikaner wissen nicht mehr, wie sie die Raten für ihr Haus abbezahlen sollen und sehen sich außerstande, die College-Gebühren für ihre Kinder aufzubringen. Ein Großteil der Familien kauft Kleidung im Secondhand-Laden und hat kein Verständnis für Palins Luxus in Krisenzeiten.

Mit ihrer ellenlangen Verteidigungsrede macht sie alles nur noch schlimmer. Wortreich weist sie darauf hin, dass die Jacke, die sie heute trage, ihre eigene sei und dass sie von Anfang an geplant habe, die teuren Kleidungsstücke an die Exklusiv-Boutiquen zurückzugeben. Die Online-User bei Politico bezeichnen sie als Lügnerin und lachen sie aus; denn welcher teure Laden nehme getragene Kleidung zurück. Eine der erbosten Frauen fragt, ob sie denn das Make-Up und die Friseurbesuche auch zurückgeben wolle.

Wie gesagt, die Wogen gehen hoch. Sarah Palin sollte die Kommentare lesen, dann würde ihr vielleicht auffallen, dass Glaubwürdigkeit relativ leicht verspielt werden kann, aber unglaublich schwer wieder zu gewinnen ist – jedenfalls nicht mit markigen Sprüchen von der bodenständigen „Hockey Mom“, die von McCain nominiert wurde, um die Wählerstimmen der amerikanischen Hausfrauen zu gewinnen. „Was für eine hoffnungslose Kampagne der Republikaner“, seufzt eine Frau in den Kommentaren bei POLITICO, „in der man über Kleidung lamentiert, obwohl es nur noch wenige Tage bis zur Wahl sind. Wollen das die Wähler hören?“ Ein Mann erbost sich, „die Kleidung offenbart nur das Eine; man kann das Haus neu anstreichen, aber es bleibt dennoch leer.“ Ein anderer lakonisch: „Well... sie kann über Klamotten reden, aber zu den wichtigen Themen sagt sie keinen Ton.“

Auch lebensnahe Beurteilungen liest man dort: „Man kann eine Wahl nicht gewinnen, indem man nur darauf hinweist, wie schlecht der andere ist. Man gewinnt nur durch eigene Verdienste – und davon hat Palin bisher noch keinen einzigen erkennen lassen.“ Oder kurz und bündig, „Sarah liebt Sarah, sonst niemanden.“ Echtes Verständnis für die großen Probleme der Menschen könne man bei ihr rein gar nicht feststellen, sie sei „irrational“ und "dangerously ignorant…"

Zum Schluss der heftigen Attacken sei noch eine Wortmeldung gestattet: „Zwei Kriege und Kosten von 10 Billionen Dollar im Monat, ein schreckliches Abschmelzen der Finanzen wie seit 70 Jahren nicht, die höchste Arbeitslosenzahl seit mehr als 5 Jahren und Palin nervt uns damit: ich komme mit meiner Garderobe nicht klar, aber ich bin für das Vizepräsidentenamt geeignet…“

Der texanische Cowboy Bush war kaum zu ertragen, und nicht wenige sind froh, dass seine Amtszeit nun endlich vorbei ist. Wir Europäer haben bei den am 4. November stattfindenden US-Präsidentschaftswahlen zwar kein Stimmrecht – aber wenn Caribou-Barbie im Windschatten McCains Vize-Präsidentin werden sollte und McCain sein Amt aus gesundheitlichen Gründen aufgeben müsste; dann, ja dann könnte es durchaus sein, dass wir uns Bushi-Boy zurück wünschen....

Ihre Roswitha Bosch

Foto: Ein Caribou in winterlicher Landschaft (GNU)