Liebe Leser... Schulfach Glück?
04.09.2008

Liebe Leser... Schulfach Glück?

…entspannt von A nach B kutschierend, lasse ich mich im Auto mit meiner Lieblingsmusik berieseln und höre, wenn es sich gerade so ergibt, die Nachrichten – schließlich will man ja informiert sein, und wissen, was in der Welt so vor sich geht. Aber neulich hat mich das gerade noch so mitgehörte letzte Fitzelchen einer Sendung elektrisiert: Da soll es doch tatsächlich eine Schule geben, die ein neues Unterrichtsfach „Glück“ eingeführt hat. Schade, warum hat es das bei uns noch nicht gegeben, war mein erster Gedanke. Was die da wohl unterrichten?

Wenn die Schüler der Willy-Hellpach-Schule in Heidelberg nachhause kommen und die Eltern fragen sie, was denn heute für Fächer dran waren, können sie antworten, „heute haben wir Glück gehabt“! Das neue Fach wird bereits seit September 2007 unterrichtet. Bisher gibt es bundesweit nur diese einzige Schule, die „Glück“ unterrichtet – an der zweijährigen Berufsfachschule Wirtschaft und am dreijährigen Wirtschaftsgymnasium. Mehr als 50 Schüler haben sich für das neue Unterrichtsfach angemeldet.

Für den Direktor der Schule, Ernst-Fritz Schubert, geht es in dem Fach „Glück“ nicht darum, Negatives auszumerzen, sondern Positives zu verstärken. Ziel des Pilotprojektes sei die Förderung persönlicher Zufriedenheit. Dabei gehe es zunächst darum, für Glücksmomente empfänglich zu werden, um später in der Lage zu sein, eigene Wege zum Glück zu finden. Dem Projekt liegt folgende idee zugrunde: Glücklichsein ist ein Bedürfnis der Psyche, genauso wie Essen und Schlafen Bedürfnisse des Körpers sind.

Zuständig für die wissenschaftliche Begleitung des neuen schulischen Angebotes ist Prof. Dr. Wilhelm Knörzer von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Von Anfang an hat er das neue Unterrichtsfach mit gestaltet. Der Begriff Bildung geht beim Schulfach Glück über den Bereich der üblichen schulischen Bildung hinaus, denn das Elternhaus ist oft nicht mehr in der Lage, die Grundlagen zu vermitteln, die als Basis für mehr Zufriedenheit angesehen werden können.

In den Ausführungen der Schule finden wir den schönen Satz, „es soll vermittelt werden, dass Glück erlernbar ist und sich im glücklichen und erfolgreichen Tun widerspiegelt.“ Weil aber Glück für jeden einzelnen etwas anderes bedeutet, „sollen sich die Schülerinnen und Schüler eine eigene Wertehierarchie erstellen und selbst mögliche Wechselwirkungen einzelner Prozesse erfahren.“

Im ersten Jahr werden verschiedene Themen, wie „Freude am Leben“ oder „Freude an der eigenen Leistung“ erarbeitet, im zweiten Jahr gibt es experimentelle Übungen zu den Schwerpunkten „Seelisches Wohlbefinden“ oder „Das Glück des Augenblicks“, um nur jeweils zwei zu nennen. Gerade der letzte Punkt ist wichtig; denn die Zeit vergeht rasend schnell, ganz egal, ob wir glücklich sind oder nicht. Und später irgendwann mit Konstantin Wecker sagen zu müssen, „und das soll dann alles gewesen sein – ein Leben ganz ohne den Wind?“ ist bitter.

Das neue Schulfach Glück allein macht sicher noch keine glücklichen Jugendlichen, aber es sollte dennoch schleunigst bundesweit eingeführt werden. Gerade junge Menschen brauchen Denkanstöße für mehr Lebensqualität. Diffuse Träume, Wünsche und Hoffnungen sind zu wenig, denn „wer vom Glück immer nur träumt, darf sich nicht wundern, wenn er es verschläft…“


Ihre Roswitha Bosch

Foto 1: DAS Glückssymbol – ein vierblättriges Kleeblatt (GNU)