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06.08.2008
…nirgendwo sonst macht es mehr Spass andere zu beobachten, als im Urlaub. Erstens hat man die nötige Muße, zweitens gibt es ausreichend skurrile Gestalten. Nehmen wir als Beispiel einen kleinen Sandstrand, der in den späten Nachmittagsstunden gut besucht ist. Wie viele andere liege auch ich faul auf meiner Bastmatte, eine dunkle Sonnenbrille auf der Nase. Weil der Rest der Familie nur noch als Pünktchen weit draußen im blauen Meer zu erkennen ist, wende ich mich neugierig dem brodelnden Strandleben ringsum zu.
Ein gut gebauter Adonis entsteigt gerade den Fluten, aufgeregt krame ich nach meiner Kamera. Gerade habe ich ihn scharf im Sucher, da stelle ich fest, dass es mein attraktiver Bruder ist. Er hat nicht bemerkt, dass ich ihn geknipst habe. Vielleicht war er zu sehr damit beschäftigt, die Luft anzuhalten – laut einer Umfrage in Men’s Health tun dies 51 % der Männer im Schwimmbad oder am Strand, um eine möglichst gute Figur zu machen. Wenige Minuten später entschwindet er auf ein kühles Bier in die Strandbar.
Aber jetzt tut sich etwas. Links vor mir schleppt ein älteres Ehepaar den halben Hausrat an den Strand: Klappstühle, sperrige Tiefkühltaschen, einen ausgebleichten Sonnenschirm und zwei vollbepackte Strandtaschen werden in einem Radius von drei Metern im Sand verteilt. Dann folgt die umständliche Ausziehaktion des weiblichen Ehegespons, die unweigerlich zum Hingucken verleitet. Unter einem superweiten Badekleid macht sie seltsame Verrenkungen, während er längst in seinem Stuhl sitzt und das erste mitgebrachte Dosenbier zischt. Endlich ist auch sie strandfertig. In einem quietschgelben Zweiteiler, der mindestens eine Nummer zu klein ist, steht sie mit dem Sonnenöl in der Hand vor ihrem Mann. Reichlich lustlos cremt er ihr den Rücken ein. Schweigend sitzen sie da und lassen sich von der Sonne rösten. Nur einmal, für fünf Minuten, lockt das kühle Nass. Bevor sie erneut in ihren Stuhl plumpst, muss ich grinsen: ihre tiefdunkle Bräune ist in den Speckfalten am Bauch von weißen Zebrastreifen unterbrochen.
Wow, der Typ nebenan hat einen traumhaften Body, fitnesstudio-gestählt, bronzebraun und mit reichlich Schwarzhaar auf Brust und Rücken. Mit einem verwegenen Strohhut auf dem Kopf, räkelt er sich in nächster Nähe auf seinem Liegetuch. Irgendwann steht er auf, setzt seinen Hut ab und schockt mich total. Der gut aussehende Schnurrbartträger hat nämlich kein einziges Haupthaar mehr und die frisch geschorene Glatze ist weiss, wie Schnee. Als er mit kräftigen Armbewegungen in Richtung offenes Meer krault, sieht es aus, als ob er eine weiße Badekappe trägt. Wieder am Strand, setzt er sofort seinen Cowboyhut auf und wickelt sich ein rosa Badetuch um die Hüften… das hat Klasse! Die Griechen wissen sich in Szene zu setzen. Der Wind wird stärker und weht mir Sand in die Augen. Hinter mir wird geflirtet, was das Zeug hält, „…you are very sexy“, die gut gebaute Touristin strahlt. Der tropfnasse Grieche mit Taucherbrille am Handgelenk, ritzt ihr seine Handy-Nummer mit einem Stöckchen in den Sand, sie buchstabiert ihm mühsam ihren Vornamen. Wird sie seine Einladung zur Pool-Party annehmen? Ich beschließe spontan, meine Beobachtungen in einem deutschen Schwimmbad fortzusetzen, denn Men’s Health hat festgestellt, dass mehr als 40% der bundesdeutschen Männer den Flirt auf der Liegewiese suchen...
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