Liebe Leser... Obama – Mister Hope
30.01.2009

Liebe Leser... Obama – Mister Hope

…der 20. Januar 2009, ein Tag, wie jeder andere? Wohl kaum. Weder für Amerika, noch für den Rest der Welt. Der 43. US-Präsident Bush tritt in der irrigen Meinung ab, dass doch alles ganz gut gewesen sei in seiner 8-jährigen Amtszeit. Immerhin habe es seit sieben Jahren keinen Terroranschlag mehr auf amerikanischem Boden gegeben. Reicht dieser magere Bonuspunkt aus als Rechtfertigung für die miserable Politik der Bush-Administration?

In seiner letzten TV-Ansprache teilte Bush die Welt erneut in Gut und Böse, dazwischen gebe es eben keinen Kompromiss. Irgendwelche Zweifel wegen des vom Zaun gebrochenen Irak-Krieges? Nicht bei George W., dem Cowboy aus Texas. Mit einem Hubschrauber flog er am Abend des Amtsantritts seines Nachfolgers zurück auf seine Ranch. In einem SPIEGEL-ONLINE Artikel stand zu lesen, dass Bush nun in Texas Holz hacken werde, so wie er vorher auf der Weltmeinung herum getrampelt sei.

Gunther wendet sich am 12. Januar mit einem schlichten „Hallo“ an die WELT-online-Leserschaft, die an Bush seit Wochen kein einziges gutes Haar gelassen hatte. Gunther jedoch dankt Bush für seine zwei Amtszeiten: „Hut ab, Herr Bush … ohne Sie und das desaströse Ergebnis ihrer Amtszeit hätte es niemals zu einer derart historischen Wahl im November kommen können. Dank Ihnen betritt der erste schwarze Präsident der USA die Weltbühne. Er stellt dank seiner globalisierten Biografie das dar, was Ihnen stets fehlte: Intelligenz, Toleranz, Inspiration.“

Genau acht Tage nach Gunthers ironischem Dankeschön an Bush wird Barack Obama als 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt. In seiner Rede schlägt er gänzlich andere Töne an, als sein Vorgänger. Es ist unglaublich wie dieser charismatische junge, in Regierungsgeschäften noch relativ unerfahrere Mann, die Menschen einstimmt auf die ernsten und echten Heraus-forderungen, die vor Amerika liegen – und „die nicht leicht und in kurzer Zeit zu bewältigen“ sein würden. Aber er gibt ihnen Vertrauen, dass alles geleistet werden kann, wenn „Ideenreichtum und Gemeinwohl zusammenkommen, und Notwendigkeit und Mut … von heute an müssen wir uns aufrichten … und wieder damit beginnen, Amerika zu erneuern.“

Auch Nelson Mandela bezeichnet Obama als „neue Stimme der Hoffnung“. ’Mr. Hope’ gibt den Amerikanern die Zuversicht zurück: „Wir sind hier zusammengekommen, weil wir die Hoffnung über die Furcht gestellt haben“. Der neue Präsident lobt die Tatkräftigen, die Risikofreudigen und er beschwört die Größe der US-Nation, „die nie selbstverständlich ist. Sie muss verdient werden.“

Obamas Antrittsrede hat bei den US-Bloggern ein enormes Echo hervorgerufen, die Server waren zur Zeit der Vereidigung völlig überlastet. Während der Rede sind auf einem CNN-Portal pro Minute 8500 Nachrichten eingegangen, 1,5 Millionen an einem einzigen Tag. Arianna Huffington, Mitbegründerin des Blogs der Huffington Post, analysierte die Situation während der Rede Obamas so: Diesem jungen Mann, dem bislang jüngsten US-Präsidenten, dabei zuzuschauen, wie er die Nation auffordert, ihre Kindereien zu beenden und in der Krise erwachsen zu werden – das hatte etwas beeindruckend Kraftvolles…

Ihre Roswitha Bosch

Foto: Mauerbild in Houston – Obama, Mr. Hope (
Jetheriot, 22.01.2009 – Creative Commons 2.0)