Liebe Leser... Ostereier und Osterlachen
28.03.2009

Liebe Leser... Ostereier und Osterlachen

…Ostern steht vor der Tür – und wie jedes Jahr bricht so langsam die Hektik aus. Beschaulich, das ist jetzt schon sicher, wird auch dieses Osterfest nicht werden. Wenn dann noch die lieben Verwandten im Sechserpack hereinschneien, würde so manche Hausfrau Ostern am liebsten aus dem Kalender streichen oder auf den Mond wünschen.

Die angenehmere Variante, Ostern zu verbringen, wäre wohl ein Kurztrip ins sonnige Mallorca oder ein Liegestuhl auf einer Frühlingswiese mit einem Buch, das man schon lange einmal lesen wollte, aber nie dazu gekommen ist. Dann könnte man sich die aufwändige Kocherei sparen und würde sich nach dem Fest nicht wie gemästet fühlen, sondern ausgeruht und fit. Ach ja… wer, verflixt nochmal, hat nur diese Feste und deren ewig gleichen Ablauf erfunden? Und woher kommt die Bezeichnung „Ostern“?

Von der Wortbedeutung her hatte man im 12. Jahrhundert eine schlichte geografische Erklärung: Ostern leite sich vom Wort Osten ab, der Richtung des Sonnenaufgangs oder von „austr“ („begießen“), was auf die österliche Taufe verweisen könnte. Interessant am Osterfest ist, dass Ostern auf mehrere Wurzeln zurückgeht: die christliche - an Ostern wird die Auferstehung Christi gefeiert, die vorchristliche - Ostern bezieht sich ebenso auf den Auszug der Israeliten aus der Sklaverei und die außerchristliche altgermanische, die eine angelsächsische Lichtgöttin hinter dem Namen Eostra vermutet.

Diese Göttin wird erstmals bei Beda Venerabilis im Jahr 738 erwähnt. Beda, „der Ehrwürdige“ lebte als Mönch in einem Kloster in Northumbrien und gilt als einer der bedeutendsten Gelehrten des Frühmittelalters. Im Wörterbuch der Gebrüder Grimm wird später allerdings die Vermutung geäußert, Beda habe die Lichtgöttin Eostra frei erfunden.

Und was hat es nun mit den vielen verschiedenen Osterbräuchen auf sich? Das Osterfest, wie es in Europa gefeiert wird, ist ein christliches Fest. Auch außerchristliche Einflüsse sind nicht von der Hand zu weisen; es gibt zahlreiche Osterbräuche, die auf germanische und keltische Sonnenkulte zurückgehen, wie das Osterfeuer und das Osterrad. Hasen als Ostersymbole sind in christlichen Quellen schon seit der späten Antike nachgewiesen. Wahrscheinlich ist der Hase als Fruchtbarkeitssymbol zu dieser Ehre gekommen.

Und das Osterei? Warum ausgerechnet Eier zu Ostern, die während der Ostermesse auch gesegnet werden und in Rumänien unbedingt rot sein müssen? Das Ei gilt als gute Gabe und war nach der Fastenzeit ein ersehntes Ostergeschenk. Es war zeitweise so wertvoll, dass es sogar als Zahlungsmittel galt. Einer Legende nach, soll Maria Magdalena einen römischen Wachsoldaten mit einem Ei bestochen haben, um am Prozess gegen Jesus im Haus des Pilatus teilnehmen zu können. Aber nicht überall suchen Kinder am Ostermorgen Eier und Süssigkeiten, die der Osterhase versteckt hat – nur in den Niederlanden und im deutschen Sprachraum hat sich diese Besonderheit bis heute erhalten.

In Schweden gibt es eine Ostertradition, die an Voodoo-Zauber erinnert: Frauen gehen heimlich an eine Quelle, um Osterwasser zu holen. Wenn es ihnen gelingt, ungesehen ins Dorf zurückzukehren und ihren Liebsten damit zu bespritzen, dann soll er angeblich das ganze Leben lang treu sein!

Als Osterlachen bezeichnete man im Mittelalter den Brauch, der es dem Pfarrer erlaubte, in seiner Osterpredigt wie ein Huhn zu gackern oder wie ein Schwein zu quieken – manchmal wurde die Kanzel gar zur Bühne! Dieses Lachen war ein Trotzdem-Lachen, gegen die Schrecken des Todes – es stand für die Auferstehung und das Leben. Schade, dass dieser Brauch später verboten wurde. In einer Zeit, wie der unseren, in der einem das Lachen vergehen kann, wären Späße von der Kanzel vielleicht wieder sinnvoll…

Ihre Roswitha Bosch


Foto: Dru Bloomfield - At Home in Scottsdale
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