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25.02.2009
...“ich hab’ es so satt“, meine beste Freundin ruft an und haut mir diesen Satz reichlich griesgrämig um die Ohren. Ich mache mich auf ein ellenlanges Klagelied gefasst, in dem sie sich über ihren einsilbigen Mann, die quengeligen Kinder oder ihren nervtötenden Chef auslässt. Nichts von alledem verdirbt ihr die Laune; es ist der Winter, den sie so satt hat, dass sie ab und zu ein Mon Cherie als kleinen Stimmungsaufheller braucht. „Dieser ewige Schnee“, seufzt sie, „macht mich richtig depressiv. Kein einziges Schneeglöckchen lässt sich blicken…“
Wo sie recht hat, hat sie recht; denn auch ich bin sauer auf Petrus. Es reicht jetzt wirklich mit Kälte, Schnee und grauem Himmel. Entgegen meiner sonstigen Gewohnheit trinke ich am helllichten Mittag eine heiße Schokolade mit Rum und fühle mich gleich viel besser. Meine beste Freundin nippt an ihrem blassgelben Jasmin-Tee und jammert über ihre eiskalten Füße. „Nicht mal abends im Bett tauen sie ohne Wärmflasche auf, man kommt sich ja vor wie die eigene Großmutter.“
Mein Tröstungsversuch scheint nichts zu bewirken. Ihre Miene hellt sich einfach nicht auf, obwohl ich ihr klar zu machen versuche, dass es ja nur noch wenige Tage sind, die es auszuhalten gilt. Denn am 1. März ist der Frühling garantiert, jedenfalls der meteorologische; denn der wurde aus statistischen Gründen auf einen Monatsersten gelegt und dauert exakt drei Monate. Statt eines vorfreudigen Lächelns zückt sie ein Papiertaschentuch, putzt sich geräuschvoll die rote Nase und rührt gedankenverloren in ihrem Tee. Meine heiße Schokolade ist längst leer und meine Stimmung geht gegen Null. Jedesmal wenn die Glastür aufgeht, kommt ein ekelhaft kalter Windhauch herein.
Frühjahrslaune und Frühjahrslust sind nichts, was sich nicht erklären ließe. Es ist das Licht, das im Frühling in seiner vermehrten Intensität einen höheren Hormonspiegel verursacht. Serotonin und Dopamin werden ausgeschüttet, eine leichte Euphorie stellt sich ein und lässt uns beinahe schweben. Angeblich kommt daher der starke Wunsch nach einem Partner in den Frühlingsmonaten. Blühende Kastanienbäume sollen ebenfalls Sehnsüchte wecken. Ein netter Kollege meinte letzten Mai unter einer Kastanienallee in Zürich: „Do wird ma jo ganz giggelig.“ Ob nun Lichtintensität oder Kastaniendüfte – wahrscheinlich alles nicht so wild. Es dürften eher optische Reize sein, die von leichterer Kleidung ausgehen und Signale aussenden.
Nun denn, irgendwann wird Petrus ein Einsehen haben, sonst marschieren wir Wintermüden auf seine Wolke und schmieden ihn an einen Felsen. Der 21. März ist nämlich auch ein Tag des Widerstands. Im Jahr 612 v. Chr. herrschte im alten Persien der grausame Tyrann Dahak. Aus seinen Schultern wuchsen zwei Schlangen, so die Sage, die er Tag für Tag mit zwei Kinderhirnen fütterte. Der Schmied Kawa hatte auf diese Art bereits 16 Söhne verloren und weigerte sich, den 17. herauszugeben. Kurzerhand marschierte er mit einer wütenden Menge zum Palast und nahm den uneinsichtigen Herrscher fest. Was danach passierte, ist leider nicht überliefert.
Ich hatte die persische Sage kaum beendet, springt meine beste Freundin begeistert auf und reckt die Faust gen Himmel: „Geniale Idee! Petrus sieh’ dich vor! Und dann machen wir unser Frühlingswetter selber…“
Ihre Roswitha Bosch
Foto: Avenarius (public domain)
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