GLOSSE: Von Loosern und Dilettanten
07.07.2011

GLOSSE: Von Loosern und Dilettanten

Unser Lügenbaron Guttenberger oder so will sich ins Ausland absetzen, war neulich zu lesen. Angeblich ist ihm noch nicht so recht klar, wohin es gehen soll. England oder USA locken den Mann, der einst neben seinem aufreibenden Job als Politiker und Familienvater „nach bestem Wissen und Gewissen“ bei flackerndem Kerzenlicht eine Doktorarbeit geschrieben haben will. Für mindestens zwei Jahre, ließ der Adelsmann verlauten, verfrachte er nun seine Familie an einen anderen Ort. Mit im Reisegepäck: Silvana Koch-Mehrin als Kindermädchen, denn die FDP-Brunhilde sucht aktuell auch nach einem geeigneten Zwischenlager, bis sich die Aufregung um ihre ebenfalls gefälschte Doktorarbeit verzogen hat. Allerdings schob der Baron auch gleich eine massive Drohung hinterher und verkündete lauthals, dass er spätestens 2013 wieder auf deutscher Scholle aufzuschlagen gedenke. Nun ja, geht es mit dem Sinkflug der jetzigen Regierung hurtig voran, dann bietet sich das unbelehrbare  Großmaul durchaus als kommender Kanzlerkandidat an.

Wer soll es denn auch sonst machen? Peer Steinbrück wäre so einer, der es nochmal wissen will auf seine alten Tage. Er, immer noch  Mitglied der SPD (Sarrazin Partei Deutschland), flattert fast täglich wie eine lästige Motte ungebeten ins mediale Rampenlicht. Bei den Grünen, die nach ihren Höhenflügen vor Kraft kaum mehr laufen können, fällt immer öfter der Name eines ehemaligen Frankfurter Taxifahrers, der später als Turnschuhverkäufer, kurzzeitiger Marathonläufer und Sumo-Ringer im Bundestag Karriere machte. Dingsda Fischer nennt sich der Spezialist, der neulich den bekannten Regisseur Pepe Danquart so lange quälte, bis der einen Film über ihn drehte und den auch noch öffentlich zeigt. Wenn das kein formidabler Einstieg in einen frühzeitigen Wahlkampf ist!

Fällt Ihnen eine ernsthafte Alternative ein, wer alsbald das Ruder im Land übernehmen könnte? Dietrich Genscher will nicht, Edmund Stoiber hat längst seinen Vornamen vergessen und Rainer Brüderle begnügt sich lieber mit der Rolle eines Öchslegrad-Testers bei einer rheinland-pfälzischen Winzereigenossenschaft. Bliebe noch Helmut Schmidt.  Aber der Altkanzler hat kürzlich rigoros abgelehnt, weil man im Berliner Reichstag nicht mal mehr auf der Toilette rauchen darf. Gemach, liebe Leute, noch ist ja Zeit und bis es soweit ist, hält Topkandidat und Republikflüchtling Guttendings  für satte Kohle tiefgreifende Vorträge über Ethik und Moral, die er während seines Auslandsaufenthaltes analog zu seiner Doktorarbeit nächtens aus dem Internet zusammen klaut. Wir wünschen fröhliches und erfolgreiches Schaffen und freuen uns jetzt schon auf ein baldiges Wiedersehen im Wahljahr 2013. Bis dahin hat Angela Merkel um Asyl auf einer griechischen Insel nachgesucht und pflanzt dort Olivenbäume.

Wenden wir uns erfreulicheren Dingen zu. Sommerzeit ist bisweilen auch Grillzeit. Entweder brutzelt Papi schürzenbewehrt und schwitzend auf dem Balkon oder im Garten Wurst- und Fleischwaren, macht sich dabei meist sehr wichtig und nervt seine hungrige Familie mit hohlen Sprüchen. Andere, denen die passende Außenfläche fehlt, packen Getränke und Essbares aufs Fahrrad und steuern den nächsten Grillplatz an. Kommen sie aus dem Hinterland, treibt es sie verständlicherweise nach Konstanz ans Bodenseeufer. Dort, so posaunte die hiesige Stadtverwaltung Anfang Juni weit über die Stadtgrenzen hinaus, habe man nun auf dem Gelände Klein Venedig, direkt am Wasser, ein gar wunderbares Areal eingerichtet, das auch für Familien bestens geeignet sei, um Bratwürste und anderes zu erhitzen und entspannt die Seele baumeln zu lassen.

Bevor Sie nun, werte LeserInnen,  tatsächlich den Weg antreten wollen in das angebliche Oberzentrum am Schwäbischen Teich, um an dessen Gestaden nach längerer Radeltour Speis und Trank zu sich zu nehmen: Bleiben lassen! Die Konstanzer können es einfach nicht. Richtig, die sind, mit Verlaub, schlicht zu blöde, um eine simple Grillstelle zu bauen. Einige werden sich erinnern: In grauer Vorzeit sollte justamente an dieser Stelle ein güldenes Konzert- und Kongresshaus entstehen, um den Ruhm der Konstanzer bis in alle Ewigkeit zu mehren. Fast 70 Prozent der BürgerInnen stimmten dann aber gegen den Protzbau, weil ihnen gerade noch rechtzeitig  klar geworden war, dass das Projekt kaum zu finanzieren sein würde.

Also zurück auf Null, kleinere Brötchen backen und es bescheiden mit einer Grillstelle versuchen. Doch auch das ging daneben. Wer sich dem Grillplatz nähert, den wird umgehend Fassungslosigkeit befallen. Unförmige Steinquader laden nicht eben zum Sitzen ein, außer man nennt eine masochistische Ader sein eigen. Dazu ein Grill, dessen Auflagefläche maximal vier Würstchen verträgt. Irgendein Vollhorst in der Planungsgruppe kam dann noch auf die Idee, Bäumchen anzupflanzen, die den Grillisten völlig die Sicht auf den See verstellen. Machen wir es kurz: Umfahren Sie diesen Ort des Grauens  weiträumig und folgen Sie hurtig der Fahrradroute Richtung Stein am Rhein/Schaffhausen. Es lohnt sich allemal. Dort findet der Besucher allüberall am Untersee lauschige Plätzchen, die zum Verweilen einladen. Dazu Grillstellen, die diesen Namen auch verdienen. Mancherorts liegt sogar Brennholz parat, was zur allgemeinen Zufriedenheit beiträgt. Es geht eben nichts über schlaue Nachbarn,
findet Grillmeister
Dr. Franz Holz