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05.11.2011
Haben Sie bereits einen privaten Rettungsschirm beantragt? Nein? Dann sollten sie aber hurtig in die Puschen kommen, denn laut der neuesten Statistik ist die Pro-Kopf-Verschuldung in diesem Land auf mittlerweile 25 000 Euro angewachsen und ein Ende dieser Entwicklung ist noch lange nicht in Sicht. Da besteht also durchaus Handlungsbedarf. Denn wer zu spät kommt, der steht im Regen. Machen Sie es doch wie die Banken-Bagage: Kohle vom Staat holen und scheinheilig und augenklimpernd versichern, dass Sie damit pfleglich umzugehen gedenken. Das hat im Falle Ackermann und anderer Bangster immer bestens funktioniert.
Seien Sie aber nicht allzu bescheiden bei Ihrer Antragstellung, denn Rettungsschirme unter 10 Millionen Euro pro privatem Haushalt werden neuerdings gar nicht mehr ernst genommen. Geben Sie Gummi und Vollgas, falsche Zurückhaltung ist da völlig fehl am Platz. Eventuell hilft ein informatives Vorabgespräch bei einem Geldinstitut Ihres Vertrauens. Lassen Sie sich aber keinesfalls von einem jungschnösligen Kundenberater die Ohren voll labern, stürmen Sie am besten sofort, laut skandierend: „Occupy, ich bin so frei“ in Richtung Chefetage und tragen Sie freundlich aber sehr bestimmt Ihr Anliegen vor. Bei dieser Gelegenheit können Sie den Geldverbrenner auch gleich mal fragen, ob er aus dem Stand sagen kann, wieviele Nullen eine Billion hat. Wie sagte einst schon der gute Bert Brecht: Was ist schon ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank? Eben. Ich drücke Ihnen auf alle Fälle heftigst die Daumen bei Ihrem Vorhaben.
Auch der Kabarettist Erwin Pelzig bekommt zunehmend einen dicken Hals, wenn das Gespräch auf die Banken kommt. Und er stellt jede Menge Fragen, unter anderem diese: „Ich würde zum Beispiel so gerne einmal wissen, warum die Investmentbank Goldman Sachs zur Zeit empfiehlt, gegen den Euro und gegen Europa zu wetten? Und warum die gleiche Bank europäische Regierungen berät, wie der Euro und Europa zu retten ist? Und bei der Gelegenheit würde ich auch sehr gerne wissen, warum der Deutschlandchef dieser Scheissbank, Alexander Dibelius, der Meinung ist, die Banken hätten keine Verpflichtung für’s Allgemeinwohl? Ich würde auch sehr gerne wissen, warum ausgerechnet dieser Vogel unsere Bundesregierung beraten hat? Und bitte, ich möchte auch wissen, warum die Börse meine Existenz, meine Lebensfreude, meine Leidenschaft und meine Liebe einfach so vernichten kann, selbst wenn ich persönlich keine einzige Aktie besitze? Und ich möchte endlich wissen, was genau, aber ganz genau, eigentlich der Unterschied sein soll zwischen einem jugendlichen Plünderer in London und den Gewinnzielen der Deutschen Bank?“ Bis heute wartet Pelzig auf nachvollziehbare Antworten. Die wird es so schnell auch nicht geben. Denn die angebliche Eurorettung ist lediglich ein kleiner Zwischenstopp bis zum nächsten Krisengipfel, der die Blase endgültig zum Platzen bringen könnte.
Wie soll das auch gehen? In mehreren europäischen Ländern, beispielsweise in Spanien, haben bis zu vierzig Prozent der Jugendlichen keinen Job. Da ist die Einlassung, hierzulande läge die Jugendarbeitslosigkeit ja „nur“ bei knapp zehn Prozent ein schwacher Trost. Eine griechische Lehrerin, die bis dato monatlich rund 1000 Euro verdient hat, muss ab Dezember mit der Hälfte zufrieden sein. Während der letzten Monate haben mehr als 50 000 Athenerinnen und Athener ihre Stadt verlassen, weil sie die Mieten nicht mehr bezahlen können. Reiche Griechen haben frühzeitig reagiert, innerhalb kürzester Zeit rund 200 Milliarden Euro außer Landes geschafft und vorzugsweise auf Schweizer Banken deponiert. Italien steht kurz vor der Insolvenz, etwa zwei Billionen Euro fehlen in den Kassen. Und das liegt nicht nur am gesteigerten Viagraverbrauch des notgeilen und präsenilen Vollpfostens Silvio Berlusconi. In Nordamerika besitzen vierhundert Bürger soviel Kapital wie 150 Millionen andere. Soziale Unruhen wie unlängst in Großbritannien, sind vorprogrammiert. Der Kessel dampft und pfeift und es scheint nur noch eine Frage der Zeit, bis es den Deckel lupft. Wer sich dem vernünftigen Vorschlag, schnellstens eine Vermögenssteuer einzuführen, widersetzt, handelt fahrlässig und darf sich dann aber nicht wundern, wenn die Sache aus dem Ruder läuft.
Wie man Steuergelder ohne Not durch den Schornstein jagt, zeigt ein aktuelles Beispiel aus Konstanz. Gert Müller-Esch, Chefarzt am Klinikum, hatte im Frühjahr in einem Offenen Brief diverse Missstände am Krankenhaus angeprangert und die gesamte Belegschaft seiner Abteilung solidarisierte sich per Unterschrift mit ihm. Daraufhin wurde der Mediziner wegen illoyalen Verhaltens gegenüber seinem Arbeitgeber fristlos entlassen. Die Strippenzieher bei diesem Schnellschuss: Rainer Ott, Verwaltungschef des Klinikums und Sozialbürgermeister Claus Boldt. Letzterer war auch für den „Maultaschenfall“ verantwortlich, der Konstanz bundesweit in die Negativ-Schlagzeilen brachte. Einer Altenpflegerin wurde Ende 2009 gekündigt, weil sie mehrere Maultaschen mitgenommen hatte, die ansonsten im Müll gelandet wären. Vor Gericht erstritt die Frau dann runde 40 000 Euro. Spezialist Claus Boldt stand mit heruntergelassenen Hosen da, aber sein Beamtenstatus rettete ihn über diese Peinlichkeit.
Im aktuellen Fall segnete eine Mehrheit des Konstanzer Gemeinderates die Entlassung von Müller-Esch leichtfertig ab und hörte nicht auf mahnende Stimmen, die vor einem Desaster warnten. Und es kam so, wie es zu befürchten war: Das Arbeitsgericht Radolfzell erklärte die Kündigung für unzulässig, der geschasste Arzt kann mit einer Abfindung über mehrere hunderttausend Euro rechnen. Sie fragen sich nun, wer dafür aufkommt? Der Steuerzahler, also Sie und ich auch. Meiner Meinung nach sollte man unfähiges Führungspersonal sofort an die frische Luft setzen und die Versager persönlich für den entstandenen Schaden zur Verantwortung ziehen.
Meint nachhaltig ziemlich verärgert Ihr Finanzexperte Franz Holz
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