KONSTANZ: Maultaschenpreis 2011 verliehen
30.08.2011

KONSTANZ: Maultaschenpreis 2011 verliehen

Konstanzer Maultaschenpreis 2011

Rund zwei Jahre ist es her, da wurde einer altgedienten Altenpflegerin von der Spitalstiftung Konstanz fristlos gekündigt, weil sie einige Maultaschen mitgenommen hatte, die ansonsten weggeworfen worden wären. Der Fall ging bundesweit durch die Medien. Aus Protest gegen diesen Vorfall gründete sich ein unabhängiges Komitee engagierter BürgerInnen, das seitdem jährlich den Konstanzer Maultaschenpreis an Firmen aus dem Landkreis Konstanz vergibt, die durch besonders beschäftigtenfeindliches Verhalten aufgefallen sind.

Die Konstanzer Maultasche 2011 wurde gestern dem Konstanzer Terra-Verlag verliehen. Schon 2003 hatten die damals circa dreißig Angestellten einen dreiköpfigen Betriebsrat gewählt, da das Betriebsklima zunehmend schlechter geworden war. Als 2006 der Juniorchef Dirk Heizmann das Ruder im Verlag übernahm, verschärfte sich der Umgangston. Der damalige Betriebsrats-vorsitzende erhielt nach 25 Jahren unbeanstandeter Tätigkeit mehrere Abmahnungen aus nichtigen Gründen und verließ schließlich entnervt das Unternehmen.

Schikanen waren beim Terra-Verlag an der Tagesordnung, wie auch gestern ehemalige MitarbeiterInnen bei einer Pressekonferenz bestätigten. „Der Umgang des Geschäftsführers mt uns war menschenverachtend“. Beschäftigte wurden beim Besuch des Betriebsrats kontrolliert und eingeschüchtert. Betriebsratsschulungen wurden verweigert und mussten mühsam erkämpft werden. Im Juni 2008 wurde ein neuer Betriebsrat gewählt, doch schon nach knapp zwei Monaten wurde die neue Betriebsratsvorsitzende fristlos entlassen. Einer anderen Angestellten, die seit 38 Jahren im Verlag in vertrauensvoller Stellung beschäftigt war, entzog man ihre bisherigen Aufgaben, weil sie, so die Begründung: „als aktives Mitglied des Wahlvorstandes für die Geschäftsführung nicht mehr vertrauenswürdig“ sei.

Im November 2008 wurde einem weiteren Betriebsratsmitglied, gekündigt, das seit 38 Jahren in dem Verlag beschäftigt war. Man hatte ihm einen Arbeitsplatz in einem schummrigen Kellerraum angewiesen. Es gab keine Heizung und kein Telefon – und keine Arbeit. Einen Tag vor seinem Arbeitsgerichtstermin brach der Mann zusammen und kam in die Klinik.

Und es wurde weiter gemobbt: Im Januar 2010 bekamen die beiden letzten Betriebsrätinnen des Verlags eine Kündigung. Die eine war bereits elf Jahre im Betrieb, die andere vierzig. Psychisch und körperlich am Ende stimmten sie Abfindungsvergleichen zu und verließen den Terra-Verlag wenige Monate später.

Das Maultaschen-Komitee wusste von mindestens vier weiteren Beschäftigten zu berichten, die aufgrund der massiven Schikanen ebenfalls seelisch erkrankten und zum Teil bis heute in Behandlung sind. In nahezu allen Fällen, so die Recherchen, „war monatelanger Arbeitsentzug vorausgegangen“.

Fazit des Komitees: Innerhalb weniger Jahre habe es die Zeitschriften-verlegerfamilie Heizmann geschafft, „einen gewählten Betriebsrat zu beseitigen und sich aller Gewerkschaftsmitglieder zu entledigen“. Nach der Pressekonferenz begab man sich zum Firmensitz des Verlages, um den Preis – südbadische Maultaschen – der Geschäftsführung zu übergeben. Doch die Tür blieb zu, Verlagschef  Dirk Heizmann verschanzte sich in seinem Büro.
                                                                                         H. Reile