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02.08.2011
Wie üblich zu dieser Jahreszeit türmen sich kurz vor der Sommerpause Debatten auf, die es abzuarbeiten gilt. Ehec ist längst durch, Hühner- und Schweinegrippen sind vorläufig gestrichen, griechische Inseln stehen erst im Herbst zum Verkauf an, Guttenberg ist nun endgültig abgetaucht und auch Überschwemmungen und Erdrutsche halten sich bislang vornehm zurück.
Dennoch gibt es genügend Stoff, der die Gemüter erhitzt. Zum Bleistift der sogenannte Panzerdeal mit Saudi-Arabien. 200 Mordgeräte mit dem bezeichnenden Namen „Leopard“ sollen gegen Kohle satt an die Wüstenscheichs verhökert worden sein. Dreifacher Tusch! - somit sind wir erfolgreich zum weltweit drittgrößten Waffenexporteur aufgestiegen. Die darob täglich lauter werdende Kritik meist miesepetriger Verweigerer und hohlwangiger Bedenkenträger hat die Bundesregierung in eine übelriechende Schmuddelecke getrieben. Merkel und Co hoffen seitdem inbrünstigst, das kommende Sommerloch möge die Panzergeschichte verschlucken. Details über das Schmutzgeschäft wollen die Berliner Strippenzieher partout nicht verraten. Das sitzt man sommerlich geduldig aus.
Mal ganz ernsthaft: Jämmerlich war die Rechtfertigung, die saudischen Menschenschinder bräuchten die Leoparden ja nur, um ihre Grenzen zu sichern und rein symbolisch ihre Wehrhaftigkeit zu dokumentieren. Und, ja, mit der Regierung dort sei man innigst befreundet, denn sie sei schon immer ein verlässlicher und integrer Partner gewesen und garantiere in dieser nicht eben einfachen Region das Gleichgewicht der Kräfte. Und, nein, eigentlich kämen die Höllenmaschinen - wahrscheinlich, unter Umständen, ziemlich sicher, und wenn überhaupt, was keiner glaubt, und falls doch, dann schlimmstenfalls nur im Ernstfall - gar nicht wirklich zum Einsatz, weder innerhalb noch ausserhalb des Wüstenreichs. Selbiges hat sich die königliche Bagage untereinander fein aufgeteilt und übt sich seit Jahrzehnten sehr erfolgreich darin, ihre Untertanen mit Zuckerbrot und Peitsche in Schach zu halten. Wer allerdings dumm tut, beispielsweise das Knechtschaftssystem grundsätzlich in Frage stellt und am Ende sogar nach Änderungen verlangt, die in Richtung Demokratie gehen könnten, sollte besser flott seinen Aufenthaltsort wechseln.
Wer dagegen devot den Kopf in den Sand steckt, und das geht dort fast überall, wird weitgehend in Ruhe gelassen. Wenn es allerdings nur im Ansatz brodelt und sich auch nur ein Hauch von Widerständchen regt, öffnen die Sandkornverwalter hurtig ihre verölten Portokassen und gebärden sich als honorige Wohltäter. Hier mal schnell ein neues Krankenhaus oder ein Kindergarten, da eine veritable Lohnerhöhung und mehr Urlaubstage – dann aber Schnauze bitte, sonst knallts. Da helfen im Konfliktfall ab sofort die deutschen Panzer. Oder sollen wir es so locker sehen, wie ein Spassvogel, der neuerdings im Internet hat verlauten lassen, die Saudis bräuchten die Leoparden für die Kameljagd? Beenden wir vorerst dieses unwürdige Gewürge um deutsche Waffenexporte in Krisengebiete. Wie hieß es einst so schön und friedensträchtig? Von deutschem Boden dürfe nie mehr ein Krieg ausgehen. Ist halt schon lange her. Außerdem führen wir ja keinen Krieg, wir liefern nur das Spielgerät, kassieren und verfahren, wenn es in absehbarer Zeit doch zum panzerlichen Stresstest kommen sollte, nach dem weithin beliebten Prinzip der drei Affen.
Schauplatzwechsel. Dieser Tage schlich so mancher Zögling schleppenden Schrittes und mühselig und beladen nach Hause. Üben Sie Nachsicht, werte Eltern, wenn das Zeugnis nicht gerade vorzeigbar ist. Denn eine sogenannte „Ehrenrunde“ im bildungspolitischen Hamsterrad ist kein Weltuntergang. Auch der Schreiber dieser Zeilen hat eine Klasse wiederholt und unterhält Sie - Widerrede zwecklos - trotz einst ungünstigster Sozialprognose seit geraumer Zeit mit vergnüglichen und tiefschürfenden Erkenntnissen aus den endlosen Weiten seiner Hirnhälften. Die scheinen noch bestens zu funktionieren, denn kaum fällt das Stichwort Schule, kommen längst verschollen geglaubte Bilder zutage. Sehr deutlich baut sich da Professor Dr. Beutler vor meinem geistigen Auge auf. Ich habe diesen Pädagogen, der mir in meiner bayrischen Heimat ziemlich ergebnislos versucht hat, die altgriechische Sprache schmackhaft zu machen, sehr geschätzt. Uns verband eine tiefe Abneigung gegen samstäglichen Unterricht, denn wir fanden selbigen völlig überflüssig. Doch was tun, wenn man an diesem Tag die fünfte und sechste Schulstunde miteinander verbringen muss und einem die griechischen Vokabeln schon zum Hals heraus hängen?
Professor Beutler fand schnell eine Lösung. Die erste Stunde lang erzählte er uns spannende Geschichten aus seinem bunten Leben, anfangs der zweiten forderte er uns auf, in Dreiergruppen absolut geräuschlos und unbemerkt die Schule zu verlassen: „Meine Herren, in zehn Minuten will ich in diesem Klassenzimmer keinen mehr sehen“, und sich schleunigst aus dem Staub zu machen. Unvergessen bei uns allen auch seine Schilderung, wie er während winterlicher Zeiten grippalen Attacken zu Leibe rückte. Das Beutler’sche “Rezept“ ist mir noch wörtlich in Erinnerung: „Ich überziehe mein Bett mit einem frischen Laken. Dann hole ich meinen besten Anzug aus dem Schrank, ziehe ihn an und lege mich aufs Bett. Anschließend trinke ich solange aus einer Flasche Whisky, bis ich meine Fußspitzen nicht mehr sehe und einschlafe. Am nächsten Tag wache ich gesund und munter auf.“ Ein wunderbarer Mann. Man stelle sich vor, was heutzutage passieren würde, wenn ein Lehrer ähnliche Ratschläge zum Besten gäbe.
Ihnen und Ihren Sprößlingen schöne Ferien wünscht Oberlehrer Franz Holz
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