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03.04.2011
Während dieser Text des Dichters Schreibstube Richtung Druckerei verlässt, stehen die Wahlen im Ländle noch bevor. Tja, so ist’s halt, manchmal gibt es Überschneidungen, die dazu führen, dass eine ursprünglich geplante Geschichte über die Wupper geht. Dennoch juckt es mich, ein wenig zu orakeln im Vorfeld einer Wahl, von der das Merkelchen behauptet hat, sie sei richtungsweisend für dieses Land und auch für sie persönlich. Mein Vorabtipp: Stefan „Caesium“ Mappus wurde abgewählt und gerade beraten die CDU-Gremien, ob man ihn ähnlich wie seinen Vorgänger Oettinger in Brüssel oder sonstwo endlagert.
Bei den Grünen und der SPD hingegen herrscht eitel Sonnenschein und der Posten des Ministerpräsidenten wird zur Zeit ausgewürfelt. Nach 57 Jahren macht sich die CDU vom Regierungsacker und sucht nach den Gründen des Niedergangs in ihrem Stammland. Suizidal veranlagte Konservative und Liberale stehen unter Polizeischutz, die Mitglieder diverser Ortsverbände im Hinterland werden von mobilen Einsatzkräften mit Beruhigungsmitteln und Psychopharmaka versorgt. Ja, ja, ich weiß, diese Prognose ist gewagt, denn eventuell ist alles anders gekommen. Dann dürfen Sie gerne sagen: Der Holz, diese dunkelrote Socke, ist doch ein ausgemachter Depp.
Die tragische Nuklearkatastrophe im fernen Japan katapultierte quasi über Nacht auch bei uns ein Thema wieder ganz nach oben, bei dem in der Vergangenheit stereotyp erklärt wurde: Unsere Atomkraftwerke sind sicher. So ähnlich wie die Renten. Geglaubt hat das eine Mehrheit nie so richtig. Aber die Demonstrantenschar, die sich während der letzten Jahre wacker bemerkbar machte, wenn beispielsweise ein Castorbehälter durch die Republik gekarrt wurde, war doch arg geschrumpft und man hatte sie ihrer Überschaubarkeit wegen per Wasserwerfer und Schlagstockeinsatz ganz gut im Griff. Die drohende und wahrscheinlich schon stattgefundene Kernschmelze in Fukushima stellte dann innerhalb kürzester Zeit alles auf den Kopf. Nicht allzu lange ist es her, da hatte die Berliner Chaostruppe die Laufzeiten für die Atommeiler hierzulande verlängert. Der Ausstieg beim Ausstieg vom Ausstieg wurde kurzerhand beschlossen. Eine Art Hirnschmelze. Bei soviel Ausstieg steigt doch keiner mehr durch!
Vorausgegangen war ein schmutziger Deal der Kanzlerin mit den AKW-Betreibern, die bei den Verhandlungen quasi mit am Tisch saßen. Die Rechnung ist für die Herren aus der Brennstababteilung auch recht einfach. Jeder Tag, an dem ein AKW läuft, bringt rund eine Million Euro. Da kann man schon mal hartnäckig sein. Wer verzichtet schon gerne auf seine Gelddruckmaschine?
Dann der drohende Super-GAU in Japan! Da wurde es plötzlich arg eng im Land der Dichter und Henker. Was tun, fragte Strahlefrau Merkel reichlich hilflos. Schnell kam man auf die blendende Idee, die verlängerten Laufzeiten erstmal für drei Monate auf Eis zu legen. Dazu ein Moratorium – was immer das bedeuten mag – und neuerdings eine angeblich hochrangig besetzte Ethikkommission. Was letztere bewirken soll, weiß kein Mensch. Immerhin ist ein Kardinal mit im Boot. Ethik und Kirche? Na ja. Gezeichnet von panischer Schnappatmung erklärte Merkel, man nehme die ältesten Meiler sofort vom Netz und alle anderen würden auf ihre Sicherheit gecheckt. Das wiederum lässt den Umkehrschluss zu, dass man es mit der Sicherheit bislang nicht sonderlich ernst genommen hat. Wie auch? Die für die Sicherheitsprüfungen Zuständigen waren bis dato meistens Mitarbeiter von Atomfirmen. Noch Fragen? Und: Die mittlerweile abgeschalteten Atomkraftwerke hätten auch ohne das Desaster in Japan schon vor fünf Jahren aufgrund einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Luftsicherheitsgesetz stillgelegt werden müssen. Hat man irgendwie vergessen. Kann ja mal passieren.
Aber wussten Sie, dass es schon seit 2009 ein Kerntechnisches Regelwerk gibt, das die modifizierten Sicherheitskriterien für Kernkraftwerke klar formuliert? Klingt gut, nicht wahr? Das Problem aber ist: Bis heute wurde dieses Regelwerk nicht in Kraft gesetzt und modert in einer Schublade vor sich hin. Die Erklärung dafür ist simpel. Wollte man es tatsächlich umsetzen, müssten alle, ja alle Meiler technisch nachgerüstet werden. Das wiederum würde die Gewinne der Betreiber beträchtlich schmälern. Und dieses Horrorszenario finden die Profiteure der Atomwirtschaft alles andere als lustig.
Nun glaubt man also, das Volk könne ruhig gestellt werden, indem man die Laufzeitverlängerung kurzfristig stoppt und dubiose Versprechungen absondert. Es vergeht mittlerweile ja kein Tag, an dem nicht irgendein AKW-Befürworter in die Welt hinaus kräht, er sei eigentlich schon immer für den Ausbau erneuerbarer Energien gewesen und man nun unverzüglich daran gehe, das auch umzusetzen. Doch glaubhaft klingt das nicht, denn schon wird angemerkt, der Umbau der hiesigen Energiewirtschaft käme teuer. Diese Bedenkenträger haben aber keinerlei Hemmungen, Milliarden für einen völlig sinnlosen Krieg am Hindukusch auszugeben und ebenfalls Milliarden für einen neuen Bahnhof in Stuttgart aus dem Fenster zu werfen.
Zum Schluss noch ein Schlenker zu einer ramponierten politischen Lichtgestalt früherer Tage. Herr Guttenberg, der abgedankte Lügenbaron, bastelt emsig an seinem Comeback. Kaum hat er alle Ämter an den Nagel gehängt, schleicht er schon wieder hechelnd um die Startblöcke. Aber vorher will er dazu beitragen, dass die Irritationen um seine Doktorarbeit aus der Welt geschafft werden. Und je länger er sein Werk studiert, desto öfter stellt er sich in seinem Kämmerchen die Frage: Wer hat das nur alles geschrieben? Saif al-Islam, Sohn des Irren aus Libyen, hat zwar auch einen Doktortitel, musste dafür aber gar nichts schreiben. 2008 bekam er die Auszeichnung von der renommierten „London School of Economics and Political Science“ verliehen. Ein Jahr später wurden von einer Gaddafi-Stiftung dafür rund 1,6 Millionen Euro überwiesen. Daran hätte sich der Guttenberg ein Beispiel nehmen sollen. Bei einem geschätzten Gesamtvermögen von etwa 500 Millionen Euro wäre das allemal drin gewesen. Aber wahrscheinlich ist der Kerl nicht nur ein Betrüger, sondern obendrein auch noch ein Geizhals.
Vermutet und grüßt Ihr Franz Holz |