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23.02.2011
obwohl Nachrichten im Allgemeinen nur wenige Tage topaktuell sind, in der causa Guttenberg flammt derzeit die Diskussion wieder so richtig auf; denn Frau Merkel ist davon überzeugt, einen "hervorragenden Verteidigungsminister" zu haben, aber die Opposition fordert seinen Rücktritt und heute abend hat die Universität Bayreuth Guttenberg den Doktortitel aberkannt…
...ja, wir leben in finsteren, nein, in finstersten Zeiten, denn in Gutti-Sprech kommt nur noch der Superlativ in Frage. Schließlich hat er, unserer allseits beliebter und verehrter Freiherr von und zu Guttenberg seine Doktorarbeit in mühevollster (und keineswegs nur in mühevoller) Kleinarbeit und natürlich ohne jede fremde Hilfe in sieben harten Jahren verfasst. Aber seine Erklärung war nichts weiter als eine dreiste Selbstinszenierung! Auf 286 Seiten (72,77 %) seiner 400-Seiten-Dissertation soll er sich mit fremden Federn geschmückt haben (*) – die Beweise sind erdrückend. Weder hat er die entsprechenden Stellen, wie es dem wissenschaftlichen Ethos entspricht, mit Anführungszeichen gekennzeichnet, noch die wahren Autoren genannt.
Nachgewiesen sind in "seinem" Werk auch vier, zum Teil recht lange Passagen, die vom wissenschaftlichen Dienst des deutschen Bundestages verfasst worden sind, zu Guttenberg hat sie selbst in Auftrag gegeben. Trifft das zu, hat KvG Teile seiner Doktorarbeit mit unseren Steuergeldern finanziert. Dass nicht einmal die Einleitung auf seinem eigenen Mist gewachsen ist, ist erwiesen, diese Tatsache hat ihn wohl bei seiner Universität in Bayreuth vom hohen Ross geholt. Denn insbesondere in der Einleitung wird erwartet, dass die wissenschaftliche Vorgehensweise und die der Arbeit zugrunde liegende Intention ausführlich dargestellt werden. Aber: Der Herr Baron hat seine Einleitung ohne irgendwelche Skrupel bei der FAZ geklaut!
Das hätte unser „charismatischer Überflieger“ sich nicht träumen lassen, dass er sich von einer Woche auf die andere im freien Fall befinden könnte. Laut einer ARD-Umfrage scheren sich jedoch Dreiviertel aller Deutschen nicht um fehlende Fußnoten, sie finden, man solle den armen Baron in Ruhe seine Arbeit tun lassen; denn die mache er doch gut. Nun denn: unser smarter Verteidigungsminister, die kometengleich aufgestiegene Lichtgestalt der CDU/CSU, demontiert sich mit seinen Lügengeschichten gerade selbst.
Gestern hat er es auf den SPIEGEL-Titel geschafft, aber mit welcher Headline: „Das Märchen vom ehrlichen Karl“ steht da und weiter heißt es, „(Dr.) zu Guttenberg und die Wahrheit“. Auf dem Titelbild sitzen Kinder zu seinen Füssen und lauschen andächtig dem Märchenonkel! Glaubwürdigkeit und Vorbildfunktion des Herrn Verteidigungministers sind dahin – mag er sich auch mit markigen Worten herausreden.
Verlassen wir dieses unappetitliche Kapitel, die Kabarettisten freuen sich über geniale Steilvorlagen. Urban Priol, der demnächst in die Stadthalle nach Singen kommt, wird den „Lügenbaron“ mit Sicherheit aufs Korn nehmen. Und ob Guttenberg tatsächlich als CDU-Wahlhelfer am 23. März in Singen sprechen wird, muss wohl auch noch dahingestellt bleiben – viel Wasser wird bis dahin in der Causa Guttenberg noch den Berg hinunter fließen…
Ihre Roswitha Bosch
(*) GuttenPlag Wiki, Stand 21.02.2011, 20:44
Hier ein nettes Zitat aus dem Forum auf FAZ.net: ------- 23. Februar 2011 14:56 Um es klar und deutlich zu sagen... [253] Christian Kreuder (Agnostiker) ... wenn Guttenbergs Arbeit das Ergebnis "schlampigen Zitierens" (BILD) ist, was ist dann Ladendiebstahl? "Schlampiges Einkaufen"?! – Neues aus der Anstalt -------
Wer immer noch davon überzeugt ist, dass Guttenberg seine Arbeit als Minister gut mache, kann sich gern dieses Video aus der ARD-Mediathek anschauen...
mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/310854_fakt/6272182
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