Das Theater Konstanz gibt jungen Talenten eine Chance. Momentan wird in der Spiegelhalle „Ich – als Juilette mit Finnen und Katzen“ gespielt, sowie im Stadttheater „bodybild“. Bei beiden Stücken dürfen sich junge Regie-Talente beweisen.
Drei Monologe, gespielt von Patrick O. Beck, Julian Mantaj sowie Sarah Siri Lee König, verbergen sich hinter dem Titel „Ich – als Juliette Binoche mit Finnen und Katzen“ und versprechen einen äußerst vergnüglichen Abend in der Spiegelhalle. Hier hat Regieassistent Julius Max Ferstl einen Teil des Abends inszeniert. Regieassistentin Susanne Frieling inszenierte „bodybild“ mit Schauspielstudierenden fürs Große Haus.

Mit Regisseur Julius Max Ferstl (JMF) und Regisseurin Susanne Frieling (SF) hat Dramaturgin Meike Sasse (MS) über „bodybild“ und „Ich – als Juliette Binoche mit Finnen und Katzen“ gesprochen.

Susanne Frieling (Foto: IljaMess)


Julius Max Ferstl (Foto: Ilja Mess)

Meike Sasse – Ihr beide hattet gerade Premiere mit zwei sehr unterschiedlichen Stücken. Worum geht es in Euren Inszenierungen?
Susanne Frieling – Ich hatte Premiere mit dem Stück „bodybild“ von der Schweizer Autorin Julia Haenni, die das Stück in Zusammenarbeit mit Jugendlichen für die Münchner Schauburg geschrieben hat. Der Titel spielt mit einer Doppeldeutigkeit, es geht aber nicht um Bodybuilding, wie es das englische Wort vermuten lässt, sondern um das Bild des Körpers. Das Selbstbild, das Fremdbild. Es geht um die Auseinandersetzung: Wie stehe ich zu meinem Körper? Wie steht die Gesellschaft zum Körper allgemein? Was wird von uns erwartet, was erwarten wir selbst, was stellen wir zur Disposition? Und damit geht es nicht nur um das rein Äußere, sondern auch um das, was damit einhergeht: Identität, Image, Sexualität.
MS – Bei der Uraufführung standen 14-Jährige auf der Bühne, bei uns spielen Schauspielstudierende aus Ludwigsburg, Zürich und Stuttgart, die 10-15 Jahre älter sind.
Man könnte meinen, die Inszenierung richtet sich eher an ein jüngeres Publikum. Bei den Vorstellungen erlebe ich aber, dass sich ebenso ein älteres Publikum für die Inhalte interessiert und auch mit Spaß bei der Sache ist.
SF – Es gibt mehrere Anknüpfungspunkte. Das Stück ist (hoffentlich) so inszeniert, dass sich unterschiedliche Menschen angesprochen fühlen. Wir merken, dass der Humor an unterschiedlichen Stellen greift, an unterschiedlichen Stellen gelacht wird. Und ganz allgemein, die Studierenden haben eine solche Spiellust, die so mitreißend ist, da kommt es gar nicht mehr aufs Alter an. Man muss sich nur mitreißen lassen. Und – so eine Rückmeldung eines Zuschauers – die Inszenierung ist nicht moralisch und kommt ohne erhobenen Zeigefinger aus. Er dachte, er bekäme eine ordentliche Moralpredigt ab. Dem war aber nicht so. Der Text stellt viele Fragen, die Antworten müssen wir alle gemeinsam miteinander finden.

MS – Vom Stadttheater in die Spiegelhalle. Dort wird „Ich – als Juliette Binoche mit Finnen und Katzen“ gespielt. Was passiert da, Julius?
Julius Max Ferstl – Ich habe einen Teil eines Abends inszeniert und zwar „Finnish“ von Martin Heckmanns, ein Monolog, der von einem jungen Mann handelt, der sich auf ein erstes Treffen vorbereitet. Er hat ein Paket an sich selbst adressiert und wartet nun darauf, dass die Postbotin, die er sehr attraktiv findet, ihm dieses Paket bringt. In dieser Wartezeit überlegt er, auf welche Art und Weise er überhaupt Menschen ansprechen kann, ein fremdes Gegenüber, welche Worte er verwenden kann, welche Sprache. Er spielt unterschiedliche Strategien durch, ärgert sich auch, weil Gesagtes vielleicht gar nicht so schlecht war, die Wiederholung aber niemals mehr da ranreichen kann und somit schon ausgeschlossen werden muss.
MS – Hört sich auch ein bisschen spleenig an, bringt aber sicherlich auch eine Portion Komik mit sich.
JMF – Jaaa. Der junge Mann – übrigens gespielt von Julian Mantaj – ist schnell, seine Gedanken springen von einer Idee zur nächsten Geschichte zum nächsten Gefühl. Und das alles aus dieser einfachen Situation heraus, dass er wartet. Zu Hause wartet auf das Klingeln der Postbotin.
MS – „Ich – als Juliette Binoche mit Finnen und Katzen“ besteht aus drei Monologen. Zu „Knolls Katzen“ von Jan Neumann bemerkte Harry Rowohlt: „… wirklich der absolute Hammer, das kann ich Ihnen sagen.“ Herr Wagner (Patrick O. Beck) sitzt im Theater. Doch kurz bevor es losgeht, stürzt ihn ein Anruf von Nachbar Knoll ins Organisationschaos – und das Publikum kommt aus dem Lachen nicht mehr raus. „Bild“ von Ingrid Lausund ist ein Monolog einer Künstlerin (Sarah Siri Lee König), die ihre autoritäre Mutter mit sich herumträgt. Da irgendwann auch noch Che Guevara, der Erzengel und ihr Prof mitmischen, gibt es für weitere herrliche Absurditäten kein Halten mehr. Julius, wie ist es zu diesem interessanten Monologe-Abend gekommen?
JMF – Eigentlich hätten wir „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ gespielt. Corona hatte zeitweise auch das Theater fest im Griff und so mussten wir diese Inszenierung verschieben. Dann haben wir in recht kurzer Zeit dieses Programm auf die Beine gestellt – denn wir wollten unbedingt etwas in der Spiegelhalle zeigen.
MS – Was könnte ein Werbeslogan sein, um die Menschen davon zu überzeugen, ins Theater zu kommen?
JMF – „Ja, hallo, hier, wo das Gefühl ist.“

MS – So viel Einsatz und Herzblut für diese zwei Inszenierungen im Stadttheater und in der Spiegelhalle – da bleibt uns nur noch zu sagen: Liebes Publikum, herzlich willkommen. Wir freuen uns auf Sie!

Beitragsbild: © Theater Konstanz, Bjorn Jansen

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